Sommer Sonne & t√∂dliche Badefreuden

Der Sommer ist da und mit ihm viele Tausende Touristen die ihre wohlverdiente Ferienzeit an Sardiniens K√ľsten genie√üen. Aber wie jedes Jahr in der Badesaison h√§ufen sich die Nachrichten √ľber t√∂dliche Badeunf√§lle.

Definitiv Baden verboten, sagt das Schild am Strand von Rena Matteo in der Gemeinde Aglientu. Nur das Sonnenbaden ist hier erlaubt, denn so sch√∂n blau wie das Meer an den sardischen K√ľsten lockt und schimmert, behaltet im Hinterkopf, dass es an sardischen Str√§nden, mit wenigen Ausnahmen, kaum Str√§nde gibt an denen Rettungsschwimmer ihre Dienste tun. Offiziell ist hier deshalb auch Baden verboten. Die Str√§nde sind lediglich nur zum Sonnenbaden zugelassen. So liegt die Haftung dann beim Badegast.

Auch wird vor gef√§hrlichen Str√∂mungen und Unterstr√∂mungen wird nicht gewarnt – und die gibt es auf Sardinien reichlich! Besonders gef√§hrlich ist es an windigen Tagen und an Tagen mit hohem Wellengang.

Rip Str√∂mung, Rip Tides oder Brandungsr√ľckstr√∂mung

Bei starkem Wind oder hohen Wellen entstehen Rip oder Brandungsr√ľckstr√∂mungen. Das sind unsichtbare Unterstr√∂mungen die entstehen, wenn die an Land gesp√ľlten Wassermengen (Wellen) zur√ľck ins Meer str√∂men. Unterwasser gibt es durch Felsen und Sandb√§nke oft Engstellen, an denen das zur√ľckfliessende Wasser schneller abliesst. Hier entstehen Flie√ügeschwindigkeiten, die selbst stehende starke gro√üe Erwachsene Personen von den F√ľssen reissen und mitziehen k√∂nnen. Gleiches gilt f√ľr Schwimmer die mit der Str√∂mung ins Meer gezogen werden. Besonders Fatal ist die Situation gerade f√ľr Kinder.

So verhaltet Ihr Euch richtig!!

  1. Klar dass Ihr schwimmen k√∂nnt oder als Nichtschwimmer Schwimmweste, Schwimmring oder Schwimm√§rmel tragt (gilt auch f√ľr Eure Kinder)
  2. Badet nur an Stränden, an denen das Baden auch zugelassen ist und Bademeister und Rettungsschwimmer ihren Dienst tun
  3. Lasst bitte Eure Kinder bei hohem Wellengang nicht in der Brandung spielen
  4. Roten Flaggen am Strand, hier herrscht Lebensgefahr

Solltet Ihr dennoch in eine Strömung geraten, heißt es erst einmal Ruhe bewahren. Gegen die Strömung anschwimmen hat keinen Sinn und Ihr erschöpft. Lasst Euch wie auf der Grafik Mittreiben, Ihr merkt wenn die Strömung nachlässt und könnt dann rechts oder links wieder Richtung Strand schwimmen.

ABER: Grunds√§tzlich gro√üe Vorsicht an windigen Tagen oder Tagen mit hohem Wellengang. Und ganz besonders, lasst Eure Kinder nicht ins Wasser, wenn die Wellen hoch sind und starker Wind weht! – auch wenn es noch so lockt und die Kleinen noch so qu√§ngeln.

Gesunden Menschenverstand einschalten sollte jeder beim Baden mit dabei haben, auch wenn das Wasser hier noch so sch√∂n ist. Lieber abwarten bis optimale Badeverh√§ltnisse herrschen und dann vergn√ľgt und sicher in die Fluten springen.

Mehr Informationen √ľber Str√∂mungen und unbesorgtes Badevergn√ľgen finden Sie auf den sehr informativen Seiten des DLRG

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Whale Watching auf Sardinien

Whale & Dolphin Watching auf Sardinien. Na wie w√§re es, einen ganzen Tag lang Wale oder Delfine in ihrem Lebensraum Mittelmeer zu beobachten? Auf Sardinien k√∂nnt das. Und Ihr habt sogar zwei M√∂glichkeiten Einblick in die Lebensweise dieser faszinierenden Tiere zu bekommen.

Entweder mit echten Meeresbiologen an der K√ľste Nordsardiniens. Mit dem sardischen Meeresbiologen Luca Bittau und seinem Team von SeaMe, seid Ihr einen Tag lang Forscher und beobachtet diese faszinierenden Tiere vor der sardischen K√ľste in ihrem nat√ľrlichen Lebensraum. Unterwegs lernt Ihr alles m√∂gliche und geht den Forschern an die Hand.

Oder auf einen Bootsausflug der anderen Art. Mit der Orso Cat ‚Äď einem Katamaran, der in Australien speziell f√ľr das Whale Watching konzipiert wurde. Mit dem Team von Orso Diving aus Poltu Quatu fahrt Ihr in kleinen Gruppen hinaus in den Unterwassercanyon von Caprera. Dort werden die Motoren abgestellt und Ihr lasst Euch treiben. Das Team von Orso Diving erkl√§rt Euch alles Wichtige rund um die Meeress√§uger und mit ein bisschen Gl√ľck seht Ihr neben Walen und Delfinen auch hiesige Meeresschildkr√∂ten, Thun- und Mondfische sowie Schwertfische.

F√ľr welchen Ausflug Ihr Euch entscheidet, f√ľr Jung und Alt sind Beide sicherlich ein ganz besonderes Erlebnis.

Santuario dei Cetacei

Sardiniens Norden geh√∂rt zum Walschutzgebiet ‚ÄěSantuario dei Cetacei‚Äú dem Heiligtum der Wale. Das Gebiet erstreckt sich zwischen den K√ľstenstreifen von Nord-Sardinien und den K√ľsten der italienischen Regionen Ligurien und Toskana, sowie Monaco und der s√ľdfranz√∂sischen C√īte d’Azur.

In diesem Schutzgebiet haben acht Arten von Meeress√§ugern ihren st√§ndigen Lebensraum: Finnwale, Pottwale, Grindwale, Gemeine Delfine, Gro√üe T√ľmmler, Streifen- und Rundkopfdelfine sowie Cuvier-Schnabelwale.


Whale & Dolphin Watching

Abfahrten: La Maddalena, Palau oder Poltu Quatu – alle in Nordsardinien
Von Mai bis Oktober – je nach Wetterlage

Auf den Webseiten von SeaMe.it (Schwerpunkt Forschung) oder Orso Diving Poltu Quatu erfahrt Ihr alles, was Ihr wissen m√ľsst und

Wann & Wo

Orso Diving Club

Whale & Dolphin Watching, Tauchen

Loc. Lato Ovest Porto, 07021 Poltu Quatu

tel. +39 (0)789 99001

mobil +39 348 0641 825 (auch per whatsapp)

Internet Orso Diving Poltu Quatu (2021 Touren finden statt)

SeaMe Sardinia Onlus

Schwerpunkt Forschung – Delphinforscher f√ľr einen Tag

Via delle Ginestre, 6 (Vil. Piras), 07024 La Maddalena (OT)

Web SeaMe.it

2021 sind derzeit keine Touren geplant!

WICHTIG: Es gibt KEINE festen Abfahrtstage. Die Touren finden nur dann statt, wenn Wind und Wetter stimmen und das Meer ruhig ist. In der Regel ist das 48 bis 24 Stunden vor Abfahrt absehbar. Auf den Webseiten der Anbieter findet Ihr alle wichtigen Informationen, die Preise und Ihr könnt Euch dort direkt anmelden.

Mitzubringen sind:
¬†Fotoapparat, Badebekleidung, Handt√ľcher, Sonnenschutz (Hut ‚Äď gerade f√ľr Kinder), Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor

Danke an Luca Bittau, SeaMe f√ľr die wunderbaren Fotos.

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Luogosanto

Na, was f√§llt Euch ein wenn Ihr an Sardinien¬†denkt?¬†Schneewei√üe¬†Str√§nde¬†und kristallklares blau-t√ľrkis schimmerndes Meer?¬†Ihr habt Recht. Sardiniens¬†Str√§nde scheinen einem Reisekatalog f√ľr die Karibik entsprungen und¬†ziehen¬†Jahr f√ľr Jahr immer mehr Menschen auf die¬†italienische Mittelmeerinsel.¬†Aber Sardinien hat noch eine ganz andere Seite, eine Seite die nicht alle kennen, nicht alle m√∂gen, die den wirklichen Sardinienfans aber einfach die Liebste ist.¬†Das Inland.

Entfernt man sich von der K√ľste und sucht seinen Weg au√üerhalb der touristisch erschlossenen Gebiete zeigt Sardinien seine ganz andere Seite.¬†Wunderbar gastfreundliche Menschen, herrliche Berg- und H√ľgellandschaften, Seen, Fl√ľsse, romantische kleine D√∂rfer, duftende immergr√ľne Macchia (Mittelmeergestr√ľpp), W√§lder, Granitgebirge und¬†beschaulicher¬†Alltag. All das k√∂nnt Ihr entdecken, auch in der Hochsaison.

Die meisten Sehensw√ľrdigkeiten habe ich Euch mit einem Link zu Google Maps hinterlegt, damit Ihr die Position in Eure Reisedaten speichern k√∂nnt.


Heute möchte ich Euch eines meiner Lieblingsdörfer vorstellen. Luogosanto.

Locusantu im hiesigen Dialekt oder auf Deutsch heiliger Ort. Man sagt, das Land ist gesegnet, beständig und stark, wie der Stein auf den das Dorf gebaut ist: der Granit. 

321¬†Meter¬†√ľber dem Meer liegt¬†Luogosanto, wie angeklebt an die Flanken des¬†Monte Juanni,¬†dem Hausberg mit seinen drei Gipfelspitzen.¬†Etwas mehr als¬†1800 Einwohner¬†stark, ist¬†Luogosanto¬†schon seit Jahrhunderten¬†eines der wichtigsten Bergd√∂rfer im Norden Sardiniens.¬†Ausgestattet¬†mit allen¬†notwendigen¬†Infrastrukturen ist man hier schon immer ziemlich unabh√§ngig.¬†Alles was zum¬†t√§glichen¬†Leben ben√∂tigt wird, bekommt man¬†vor Ort.

Von¬†imposanten¬†Granitbergen¬†umgeben, sind die meisten H√§user¬†im Dorf¬†traditionell¬†aus¬†Granit gebaut.¬†Gesch√§tzt werden althergebrachte¬†Traditionen,¬†gutes Essen,¬†Natur und¬†besinnliche¬†Ruhe.¬†Gastfreundschaft ist heilig.¬†Selbst im Hochsommer,¬†wenn es an den K√ľsten hektisch,¬†un√ľbersichtlich und quirlig¬†wird,¬†taucht man hier ein, in eine¬†gem√ľtliche¬†und¬†stressarme¬†Umgebung.¬†Fast ist¬†sp√ľrbar,¬†wie¬†diese ruhige Stimmung auch¬†die Besucher¬†des Dorfes einnimmt.

Luogosanto ist umgeben von wunderbar schattigen und immergr√ľnen Stein- und Korkeichenw√§ldern, die sich zum s√ľdlichen Inland hin √ľber T√§ler und Granitberge bis nach Tempio Pausania, dem Bischofssitz in Sardiniens Norden, ziehen.

Das Meer ist nah. Vom Aussichtspunkt an der¬†Hauptkirche der¬†Basilika della Nostra Signora di Luogosanto¬†kann man das blitzende Blau¬†zwischen den Bergen erhaschen. In einigen T√§lern hinter dem Dorf gibt es Ecken mit¬†teilweise endemischer Flora und¬†ansonsten mit¬†der f√ľr Nordsardinien typischen Fauna.¬†Die immergr√ľnen W√§lder sind reich¬†an Wildtieren:¬†Wildschweine,¬†einige¬†Marderarten,¬†F√ľchse,¬†V√∂gel,¬†Eulen,¬†Falken¬†um nur einige zu nennen. Dazu eine bunte Vielfalt Reptilien¬†z.B. Zauneidechsen, Schlangen (ungiftig) und die sardische Landschildkr√∂te. Die W√§lder bieten vielen dieser Tiere vom Menschen fast unber√ľhrte¬†R√ľckzugsorte.¬†Kr√§uter-,¬†Vogel‚Äď und¬†Insektenfreunde¬†lieben Sardinien, denn sie finden hier noch Arten,¬†die hinter den Alpen bereits seit Jahren auf der Roten Liste stehen oder bereits ausgemerzt wurden.¬†

135 Quadratkilometer gro√ü ist das Gemeindegebiet des Dorfes. Den Besuchern wird viel geboten: zuallererst eine faszinierende Natur- und Tierweltsaubere Luft, bestes Essen. Wer hier urlaubt kann sich dazu vielen Freizeitaktivit√§ten widmen: BikenWandernBouldern oder nur gem√ľtlich durch das Dorf bummeln, bisschen einkaufen, bisschen Eis essen. Sattsehen kann sich das Auge an herrlichen Granitformationen die rundum die Landschaft pr√§gen und immer wieder aus dem Bl√§tterdach der W√§lder schauen. Bei klarem Wetter hat man Meersicht und selbst Korsika, die franz√∂sische Nachbarinsel, scheint nur einen Katzensprung entfernt.

Auch die sch√∂nsten Str√§nde Nordsardiniens sind schnell erreichbar. Ihr habt die Qual der Wahl, welcher Strand auf dem Programm stehen soll: die famose Costa Smeralda rund um das Jet-Set-Nest Porto Cervoan der Ostk√ľsteRena Majore oder Rena Matteo an der Nordwestk√ľstePorto Pollo im Norden zum Surfen. Alle sind von Luogosanto aus in 25 bis 35 Fahrtminuten mit dem Auto erreichbar. Und kommt man dann vom stressigen Strandtag zur√ľck, empf√§ngt den Gast in Luogosanto die wohlige Gastfreundschaft f√ľr das das Dorf seit Jahrhunderten bekannt ist.

Capanna delle Riunioni

Luogosanto war schon lange vor Christus Geburt besiedelt.¬†Ein Zeugnis ist die¬†nuraghische Versammlungsh√ľtte,¬†die¬†Capanna delle Riunioni¬†auf dem¬†Monte¬†Casteddu¬†(XIV ‚Äď IX v. Ch.).¬†Die¬†√úberreste¬†von kreisf√∂rmigen¬†Steinh√ľtten¬†in der N√§he,¬†zeugen davon, dass sich¬†sich dort¬†um 2500 v.Ch. eine¬†wichtige¬†Ansiedlung¬†befand.

San Trano und die Teufelsgrotte

23 gr√∂√üere und kleinere Kirchen und Landkirchlein, in deren Mauern die Gl√§ubigen schon im Mittelalter den Segen erbaten, liegen auf dem Gemeindegebiet verstreut. Ein Highlight, die Landkirche von San Trano, in dem die Heiligen Nicola und Trano als Eremiten hausten. 

Aus dem Heiligen Land gekommen, waren sie unersch√ľtterlich in ihrem Glauben. In Luogosanto wollten sie eine Kirche erbauen; selbst der Teufel konnte sie mit keiner Verlockung von ihrem Vorhaben abbringen und fuhr aus Zorn dar√ľber in die H√∂lle hinab. Unterhalb der Kirche ist in der Grotta del Diavolo, sein Fu√üabdruck im Granit f√ľr immer verewigt. Wer an diesem Platz das Avemaria betet und einem alten Ritus folgt, kann das b√∂se Auge abwehren

Der legende nach wurden von Nicola und Trano dann die ersten Mauern der¬†Basilika von Luogosanto¬†erbaut.¬†Seit 2008 ist Luogosanto¬†Citt√° Mariana, ein¬†Wallfahrtsort, gleichgestellt mit Lourdes.¬†Alle 7 Jahre wird die heilige T√ľr an der Basilika ge√∂ffnet in der die Geschichte der Eremiten verewigt ist. Das allj√§hrliche¬†Fest zu Ehren der Madonna (7./8./9. September)¬†mit Trachtenumz√ľgen, vielen pr√§chtig geschm√ľckten Pferden, Jahrmarkt und gro√üen Konzerten, wird dann noch einmal ein Tick gr√∂√üer ausgerichtet.

√úberreste einer weiteren¬†Ansiedlung¬†sind 2 km au√üerhalb des Dorfes¬†rund um die¬†mittelalterlichen Ruinen des¬†Castello di Baldu¬†zu besichtigen.¬†Die Ruine ist ein¬†besinnlich-lauschiger Platz¬†f√ľr¬†Picknicks.¬†Im Schatten der¬†alten¬†Eichen, l√§sst sich dort wunderbar entspannen.¬†Im¬†Mittelalter¬†war die Burg das Zuhause des¬†Prinzen¬†Baldu,¬†der mit einer deutschen¬†Prinzessin vom Rhein¬†verheiratet war. Oder ein weiterer Ausflug in die Vergangenheit, besichtigt doch das Castello di Balaiana, es liegt mit herrlicher Rundumsicht auf einem H√ľgel. Vorab sind ein paar Hundert Treppenstufen zu √ľberwinden. 6 km vor Luogosanto, von Arzachena kommend.

Kork

In den hei√üen¬†Sommermonaten¬†kann man in den¬†Korkeichenw√§ldern¬†rund um das Dorf Zeuge werden, wie einer der h√§rtesten Jobs der Insel getan wird. Die Str√§nde sind jetzt voll mit Sommertouristen. Jetzt, bei¬†Tagestemperaturen¬†um die 40 Grad ist¬†die Zeit gekommen, die Korkeichen zu sch√§len. Hochbezahlte b√§renstarke¬†Fachm√§nner¬†schlitzen mit¬†scharfen¬†Dolchen, √Ąxten¬†und¬†gekonnten Bewegungen die¬†begehrte Baumrinde¬†auf und ziehen gro√üe Platten des wertvollen¬†Naturmaterials¬†von Hand ab. Ein falscher Schnitt und der Baum stirbt. Auch darf man nicht zu viel von der Rinde abnehmen. Dazu kommt der Kampf mit¬†Wespen,¬†K√§fern¬†und Ameisen, die die Rinde bewohnen und ihre Wohnstatt mit allen Mitteln gegen die Arbeiter zu verteidigen suchen. Doch nur im Hochsommer gibt es zwischen Baum und Rinde einen Luftpuffer, der es erm√∂glicht die Rinde abzunehmen. Im restlichen Jahr sind¬†Baum und Rindeunzertrennlich.¬†Die¬†geernteten Korkplatten¬†werden dann nach¬†Tempio Pausania¬†oder¬†Calangianus¬†in die Fabriken gekarrt, wo sie gelagert, gekocht und dann zu den Korken verarbeitet werden, die die besten¬†Weine der Welt¬†in ihren Flaschen versiegeln.

Hausmannskost in der Gallura

Wirklich arm war Luogosanto nie.¬†Zeugen sind die vielen¬†kleinen Landkirchen und dazugeh√∂rigen L√§ndereien, die¬†Stazzi¬†(typisch sardische Bauernh√§user), die rund um Luogosanto verstreut liegen.¬†Die Besitzer der L√§ndereien lebten im Dorf und¬†lie√üen¬†auf dem Land ihre P√§chter mit Familien¬†f√ľr sich arbeiten.¬†Die¬†wichtigsten¬†Grundnahrungsmittel¬†f√ľr das Dorf¬†wurden dort¬†produziert.¬†Getreide,¬†K√§se,¬†Fleisch,¬†Brot,¬†Gem√ľse. Sie¬†sind noch¬†heute die¬†Basis f√ľr viele Gerichte¬†aus der galluresisch-sardischen Landk√ľche. Wie zum Beispiel die¬†Zuppa Gallurese, ein¬†Brotauflauf, der heute an jedem wichtigen Festtag auf dem Mittagstisch stehen mu√ü. Mein Rezept zum nachkochen. Dazu ein wenig Geschichte zur Zuppa.

Die Landfeste

Wer nach dem hei√üen Sommer Luogosanto besucht, kann Gl√ľck haben, dass eines der Landfeste stattfindet um dort mitfeiern zu k√∂nnen. Gefeiert wurde und wird bis heute viel und gerne. Das Ende des Winters, das Ende des Sommers, die Ernte. Feste, deren Tradition sich bis heute erhalten hat und die abwechselnd von den Gemeindemitgliedern organisiert und an den Landkirchen gefeiert werden.
Der Aufwand ist gewaltig, aber man freut sich schon Wochen vorher auf das gesellige BeisammenseinMeterlange B√§nke und Tische sind dann voll mit Menschen und Leckereien, dazu Tanz und Musik bissp√§t in die Nacht.

Rinder werden zu GeschnetzeltemWildschweine mit Sugo verfeinert und Spanferkel kommen an den Spies und werden im Kreis √ľber dem offenen Feuer stundenlang gegrillt. Mehrg√§ngig ist das Men√ľ, fleischlastig, so wie immer. So wie seit vielen hundert Jahren und nicht wirklich das Gl√ľck veganer Mitb√ľrger.
Dazu gibt‚Äôs Pasta mit Sugo und selbstverst√§ndlich Wasser und Wein, viel Wein. 

Die Geschichten des Dorfes und der Menschen werden dann erz√§hlt. Geschichten um die Feste der vergangenen Jahre, Geschichten um die Neugeborenen und die Toten des Jahres und was sonst noch so interessant ist. Speis und Trank kommen f√ľr eine kleine Spende auf den Tisch. Je nach Fest bekocht das Organisationsteam auch schon mal 2500 Personen, die von √ľberall herbeikommen. Eine Hochleistungf√ľr die d√∂rfliche Supply Chain

Tonnenweise werden Pasta, Tomaten, Kartoffeln, Suppengem√ľse, Wein, Wasser, Obst und das Fleischheranzuschaffen. Die K√∂che sind Hobbyk√∂che, hoch gesch√§tzte Gemeindemitglieder die ihren Job f√ľr das Gemeinwohl teilweise schon seit vielen Jahrzehnten machen und so zu Legenden der Gallura wurden.

Biriu¬†zum Beispiel, ein kleiner Mann, 165 cm gro√ü und nicht mehr der J√ľngste. Er tut sich schwer, weil der R√ľcken so sehr schmerzt. Trotzdem, Jahr f√ľr Jahr wird er gerufen und er kommt. Kein Klagen. Biriu, der die beste¬†Rindfleischsuppe¬†kocht, den¬†besten Sugo¬†kann, dessen¬†Geschnetzeltes butterweich im Munde zergeht,¬†der seine 10 gro√üen T√∂pfe und die K√ľchencrew aus Freiwilligen im Griff hat.¬†Biriu ist bereits Legende. Seine Tochter Giacomina steht ihm seit ein paar Jahren bei und die Gemeinde sorgt sich, wenn er nicht mehr so kann. Denn f√ľr einen Abend Fest sind drei Tage Schwerstarbeit in der K√ľche einzuplanen. Tage die um 5 Uhr morgens beginnen und oft erst weit nach Mitternacht zu Ende sind. Das hier ist Sardinien, ein St√ľck echtes Sardinien.

Fr√ľhling Sommer Herbst und Winter

Im¬†Fr√ľhjahr¬†sind¬†W√§lder, Wiesen und Weiden¬†rund um das Dorf ein wahres¬†Farbspektakel. Kunterbunt von vielen Wildblumen und Kr√§utern die ihren herrlich intensiven Duft in die Inselwelt entlassen. Eingefleischte¬†Sardinienfans, riechen die Insel schon, wenn sie mit der F√§hre in den Hafen einfahren. Ein Duftmix aus¬†italienischer Strohblume¬†(Helicrysum italicum),¬†wildem Lavendel¬†und vielen anderen.
Der Herbst ist gr√ľn, die ersten Regenf√§lle lassen dazu die¬†Edelpilze¬†spriessen und¬†Pilzsammler¬†sind √ľberall mit ihren K√∂rben unterwegs. Die W√§lder zwischen Luogosanto und Tempio sind voll mit¬†Stein- und Edelpilzen,¬†ein¬†Mekka f√ľr Fans der Funghi.

Im Sp√§therbst reifen die dunkelblauen Mirtobeeren an ihren Str√§uchern. Sie sind die Basis f√ľr den gleichnamigen Likeur der Hundertj√§hrigen: den Mirto.  Auch der Erdbeerbaum (Corbezzolo) tr√§gt jetzt schwer mit seinen roten stacheligen Fr√ľchten. Sie erinnern an Erdbeeren oder, wie mein kleiner Neffe meint: ‚Äěan den CoronaVirus in Rot‚Äú. Neben den roten Fruchtkugeln ist gleichzeitig die Bl√ľte des Baumes in vollem Gange. Wie Trauben aus Wein dicht and dicht, h√§ngen sie wachswei√ü bis rosa neben den roten B√§llchen im Baum. Die Bl√ľten sind ein wichtiger Teil der Winternahrung der heimischen Bienen, die daraus den begehrten, bitteren Corbezzolo Honig (Miele di Corbezzolo) herstellen.

Sehenswertes & Tipps

In der Anlage der Forstverwaltung (Forestale) Lu Sfussatu auf dem Weg nach Tempio Pausania k√∂nnen Besucher auf sch√∂n angelegten Pfaden, mit dem Bike oder zu Fu√ü die Natur und Tierwelt beobachten und aus einer Vielzahl sauberer Wasserquellen trinken. Im Park befindet sich auch eine Grotte, die als Beobachtungsposten ausgebaut wurde.

Di√∂zesanmuseum von Luogosanto – Mein¬†absoluter Tipp f√ľr alle Luogosanto-Besucher¬†– das¬†Di√∂zesanMuseum in Luogosanto,¬†das im ehemaligen Franziskaner Kloster beherbergt ist. Artikel in Arbeit

Eine Wasserquelle der heilbringende Eigenschaften zugesagt werden, ist die Sorgente Fonte La Filetta auf dem Weg zum Monte Canu.

Einen besonderen¬†Ausblick in die ganze Gallura und bei gutem Wetter bis Korsika, hat man von dem¬†Kirchlein von San Trano (Eremo di San Trano), wo die Eremiten sich niederlie√üen.¬†500 Meter nach der Ortsausfahrt, Fahrtrichtung Arzachena geht es rechts ab (Beschilderung folgen). Hier hausten die vorgenannten Eremiten zu deren Ehre dort ebenfalls zwei Heiligenfiguren aufgestellt sind. Das Kirchlein liegt auf einem Granith√ľgel.¬†

Ein¬†Muss¬†ist¬†die Besichtigung der¬†Olivastri Millenari,¬†4000 Jahre alte Baumriesen am Lago di Liscia. F√§hrt man √ľber den Monte Canu Richtung Aggius, kommt man hinter Luogosanto in das Tal des Stausees¬†des¬†Lago Liscia. Dort herrscht ein¬†ganz besonderes¬†Mikroklima. Mehrere um die 4000 Jahre alte Baumriesen gelten als die √§ltesten Olivenb√§ume Europas. Unter dem Bl√§tterdach des √Ąltesten¬†lernt man Ehrfurcht.

Essen in Luogosanto

Ristorante Pizzeria da Tommy, Via Cristoforo Colombo 9, Pasta, Pizza (Abends), Fisch & Fleisch, t√§glich 12.00 ‚Äď 15.00 / 19.00 ‚Äď 23.00, Donnerstag Ruhetag. Tommy, seine Frau und seine Kinder bewirten Euch mit Leckerschmeckergarantie.

Ristorante Girasole, Via S. Trano 31, tolle Pasta & Pizza (Abends), Fisch & Fleisch, t√§glich 12.30 ‚Äď 14.30 / 19.00 ‚Äď 23.30 

Tolles Eis, super H√§hnchen, Pizza und s√ľsses Geb√§ck zum Mitnehmen in der Rosticceria von Adriana und und Pasquale Lu Mulinu, Via San Trano 11

6 km au√üerhalb ‚Äď bei Matteo und Laura im Agriturismo/Landhotel Quercia della Gallura typisch sardisch essen & schlafen, Reservierung notwendig ‚Äď www.querciadellagallura.com

√úbernachten in Luogosanto

im Dorfkern ‚Äď bei Fabrizio und seiner Familie im Drei Sterne Hotel & Restaurant San Trano in der Via Caprera 19, von Apr. bis Okt.‚Äď www.hotelsantrano.it

2 km au√üerhalb ‚Äď bei Pierfranco, Francesca,  & Gianna im Agriturismo Vaddidulimu in der Ansiedlung Vaddidulimu (Fahrtrichtung Aglientu), ganzj√§hrig ge√∂ffnet B&B 40,‚Äď Euro pro √úbernachtung / HP 60,‚Äď Euro Reservieren: dongu1@virgilio.it

6 km au√üerhalb, Fahrtrichtung Arzachena ‚Äď das ausgebaute Heuhaus von Eugenie¬†f√ľr 1 – 2 Personen

6 km au√üerhalb ‚Äď bei Matteo und Laura im Agriturismo/Landhotel Quercia della Gallura, ganzj√§hrig, ab 35,‚Äď Euro B&B www.querciadellagallura.com

8 km au√üerhalb, total tolle Berglage, ‚Äď im Agriturismo Canu von Antonello und seiner Familie ‚Äď www.agriturismo-canu.com 

Einkaufen in Luogosanto

#Sardinientipp Kr√§uter, Tees, Salben einkaufen- bei DER Kr√§uterfrau Sardiniens, Patrizia, in ihrer Erboristeria, 5 km au√üerhalb des Dorfes gelegen (Fahrtrichtung Arzachena), pflanzt, hegt und pflegt sie nicht nur viele Heilpflanzen selber, sonder mixt Euch Tees und Aufg√ľsse f√ľr allerlei Zipperlein von Hand, stellt dazu Salben und Kr√§utermixturen selber her. Erboristeria Officinale Lu Capruleddu, Loc. Capruleddu, I-07020 Luogosanto

#Sardinientipp K√§se und Wurst einkaufen‚Äď Der sardische Pecorino-K√§se f√ľr den die Schafe des Agriturismo Canu ganzj√§hrig auf der Weide frei grasen um hervorragende Milch zu liefern ist famos und ganz bestimmt ein besonderer Leckerbissen. Bei Daniela und Pino k√∂nnt Ihr ihn von Fr√ľhjahr bis Herbst in der Verkaufsstelle Pastores in Arzachena erstehen. Der Weg lohnt sich.

#Sardinientipp Blumen und Geschenke, tolle Blumenkompositionen holen wir uns f√ľr unsere Hochzeiten im Blumenladen bei Anna in der Via San Trano . In ihrem Laden duftet es herrlich. Neben Blumen gibt es eine Auswahl netter Geschenkideen und Kerzen. 

#Hoch zu Ross in Luogosanto Auf tollen Pferden die wunderbaren Stein- und Korkeichenw√§lder erkunden. Bei Valeria und dem Centro Equestre Royal Dream

#Wein testen in Luogosanto #Piero Mancini

In den 60er Jahren entschloss sich der Zahnarzt Piero Mancini Wein anzubauen. Eine gute Entscheidung, denn heute d√ľrfen wir sein fantastischen Weine in Luogosanto testen. Das¬†Weingut befindet sich ca. 4 km au√üerhalb Luogosanto¬†in Fahrtrichtung Arzachena.¬†Ein wunderbarer Stazzu, top restauriert ist heute eine exquisite Location. Derzeit k√∂nnen leider nur Tastings f√ľr Gruppen ab 20 Personen angeboten werden.¬†

Mein Fazit

Luogosantos unber√ľhrte, unvergleichliche Natur, nette Einwohner und Gastgeber, tolle kulinarische Spezialit√§ten und nicht zuletzt die abwechslungsreiche Landschaft, macht dieses nette sardische Dorf zu einem meiner Lieblingsorte auf Sardinien. Ganz besonders Naturliebhaber, Radler und Wanderer finden hier tolle M√∂glichkeiten um ein St√ľck urspr√ľngliches Sardinien auf eigene Faust zu erkunden. Ganz besonders m√∂chte ich Luogosanto denjenigen empfehlen, die die Insel auch mal au√üerhalb der √ľblichen Touristenzeiten entdecken m√∂chten. Sardinien ist einfach nur toll im Herbst, Winter und Fr√ľhjahr. Einige Unterk√ľnfte sind geheizt und ganzj√§hrig ge√∂ffnet und last but not least, gerade in Coronazeiten l√§sst sich mit so viel Platz ganz wunderbar und ziemlich Maskenfrei eine tolle Zeit verbringen. Ich w√ľnsche Euch eine tolle Reise.

Fotos: Comune Luogosanto, Anja Liebert, Daniele Fontana

Viel Spass bei Eurem Aufenthalt. Weitere Fragen? einfach fragen..


Nordsardinien – die Gallura

Gallura


Glitzendblaues Meer, bizarre Granitstein-Kulissen, immergr√ľne Macchia, schroffe Berge, sanfte H√ľgel, ein Himmel so blau und eine Sonne so strahlend, dass es scheint, als herrsche ein ewiger Sommer √ľber dieser wunderbaren Gegend ūü§ć

In fast allen Sardinien-Reisef√ľhrern, ob online oder als Druckwerk, ist die Gallura als eines der sch√∂nsten Reisegebiete Sardiniens anpriesen und der Meinung kann ich mich auch nur anschlie√üen.

Der gesamte nord-√∂stliche Teil der Insel ist ein wahres Naturschauspiel. Eingerahmt von unz√§hligen Str√§nden und Str√§ndchen mit t√ľrkisfarbenem Meer, von bizarren Granitstein-Kulissen, immergr√ľnen Korkeichew√§ldern auf sanften, immer h√∂her steigenden H√ľgeln, Gebirgsz√ľgen und fantastischen Felsformationen aus Granit.

Keine sardische Landschaft ist abwechslungsreicher als die Gallura, nirgends sind die Farben ausgepr√§gter und die Wasserqualit√§t des Meeres besser als im Norden der Insel.

Luogosanto

Locusantu im hiesigen Dialekt¬†oder¬†auf Deutsch¬†heiliger¬†Ort.¬†Man sagt,¬†das Land ist¬†gesegnet,¬†best√§ndig¬†und stark,¬†wie der Stein auf den das Dorf gebaut ist: der¬†Granit. 321¬†Meter¬†√ľber dem Meer liegt¬†Luogosanto, wie angeklebt an die Flanken des¬†Monte Juanni,¬†dem Hausberg mit seinen drei Gipfelspitzen.¬†Etwas mehr als¬†1800 Einwohner¬†stark, ist¬†Luogosanto¬†schon seit Jahrhunderten¬†eines der wichtigsten Bergd√∂rfer im Norden Sardiniens.¬†weiterlesen

In Vorbereitung:

  • von Olbia bis Golfo Aranci
  • Costa Smeralda
  • von Baia Sardinia √ľber Cannigione nach Palau
  • La Maddalena, Caprera
  • von Palau √ľber Porto Pollo, Porto Pozzo bis Santa Teresa Gallura
  • Capo Testa
  • Rena Majore, Costa Paradiso bis Badesi und Valledoria

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Schafschur im Agriturismo Canu

7 Uhr an einem sonnigen Morgen im Mai, Nordsardinien, im Herzen der Gallura. 5 km außerhalb des kleinen Bergdörfchens Luogosanto auf fast 400 Höhenmetern.

Zweihundert Hektar Land geh√∂ren zum Anwesen. Gr√ľne Weiden, sanfte H√ľgel mit Macchia und wilden Olivenb√§umen bewachsen, es duftet nach Fr√ľhlingskr√§utern, Minze und Wacholder. Der Lago Liscia schimmert im Tal in der Morgensonne und in der Ferne die Bergspitzen des Monte Limbara dessen Antennen in der Morgensonne r√∂tlich glitzern.

Schafschur in der Gallura

Es riecht nach Land, nach Schaf ‚Äď denn rund vierhundert bl√∂kende Damen und einige Herren wurden in den fr√ľhen Morgenstunden zusammengetrieben und warten darauf, dass ihnen die Wollpracht f√ľr die zu erwartende Sommerhitze von den Leibern geschoren wird. Es ist leicht bew√∂lkt, aber warm, kein Wind und kein Regen. Das ist gut, nein ideal denn ansonsten h√§tte die ganze Schafschur wieder verschoben werden m√ľssen, wie schon zwei mal in diesem f√ľr Sardinien kalten Mai.

Zum Einsatz bereit: Die Schafscherer ‚Äď zwanzig kr√§ftige schwarz√§ugige sardische Herren, aus allen Inselteilen sind sie nach Luogosanto gereist. Die Modernen ausgestattet mit Schermaschinen. Die Traditionellen arbeiten noch von Hand, mit altert√ľmlich anmutenden, frisch geschliffenen gro√üen Scheren. Auch f√ľnfzehn Helfer haben sich eingefunden. Ihre Aufgabe die Tiere aus der Herde herausholen, zur Schur vorbereiten und die abgeschorene Wolle zusammensammeln.

Los geht’s

Zuerst sind die rund hundert L√§mmer und L√§mmchen an der Reihe. Sie bl√∂ken verzweifelt nach ihren Mamis. Doch muskul√∂se Arme greifen sie greifen sie und holen sie aus der Herde. Dann werden die Beine im Handumdrehen verschn√ľrt und das bewegungsunf√§hige kleine Schafpaket wartet nun doch ziemlich relaxt auf die Dinge die da kommen, bis es an der Reihe ist.

Antonello, der Chef des Hauses Canu erkl√§rt mir, dass die Schafschur in der Gallura eigentlich keine Tradition hat und auch die Betriebe, die so viele Schafe halten sind im Norden Sardiniens ziemlich selten. Drei oder vier Betriebe werden es sein, sch√§tzt Antonello.     In der Gallura wurden traditionell eher Felder bestellt, Rinder und vereinzelt auch Ziegen gehalten. Antonello's Familie kam Mitte der 60er Jahre aus dem Inselherzen, der Barbagia aus Fonni mit all ihren Schafen in die Gallura um sich hier einer neuen Art des Tourismus zu widmen, dem Agriturismo. Ferien auf dem Bauernhof und vom Land auf den Tisch. Auf dem Hof in einfachen G√§stezimmern √úbernachten und mit hauseigenen Produkten wie Fleisch, Gem√ľse, Wein und vielen ausgemachten Spezialit√§ten sollen die G√§ste bei ihrem Aufenthalt versorgt werden.

Die meisten Helfer die heute zur Schafschur angereist sind sind Freunde und gute Bekannte. ‚ÄěAlleine kann das von uns keiner mehr schaffen‚Äú, sagt Antonello, ‚Äěbezahlen k√∂nnten wir die Arbeiter nicht‚Äú. Ohne Nachbarschaftshilfe geht da nichts, heute hier, morgen in Olbia und am n√§chsten Wochenende reist man woanders hin. „Das ist eigentlich ganz normal auf Sardinien und besonders in der Barbagia“, erz√§hlt er stolz auch wenn einige daf√ľr viele Stunde Fahrtzeit in Kauf nehmen m√ľssen.
Er freut sich auch, dass heute so viele Touristen und G√§ste gekommen sind um sich die Schafschur anzusehen. Wer mag, kann gerne helfen aber kaum einer traut sich. Einer der Zuschauer sagt mir: ‚Äěschau Dir nur die muskul√∂sen Unterarme von den Schafscherern an, da kann ich als Stadtmensch nicht mithalten, geschweige denn ein 45 Kilo schweres Schaf anheben, festhalten und verschn√ľren.‚Äú Er schmunzelt.

Schafschur ist Schwerstarbeit

Ja, das sieht wirklich nach harter Arbeit aus. Es ist mittlerweile kurz nach Elf. Schafscherern und Helfern steht der Schwei√ü auf der Stirn. Wasser, Bier und Wein machen die Runde. F√ľr die Versorgung der Schafscherer ist Antonello’s Familie zust√§ndig.

Die Schafscherer stehen in geb√ľckter Haltung √ľber den Schafen. Schwei√ü tropft von Scherer’s Nase auf das Schaf. Das Tier wird auf den R√ľcken gelegt und zwischen den Beinen des Scherers eingeklemmt und festgehalten. Die Schermaschine am Oberarm des Tieres angesetzt und bis zum Hinterlauf in einem Schnitt durchgeschoren. So geht das bis zum oberen R√ľcken. Dann wird das Schaf umgedreht und die Prozedur geht von vorne los. Am Schlu√ü werden Schwanz und Kopf freigelegt. Rund vier Minuten braucht der Scherer f√ľr ein Tier, z√§hle ich mit. Die Sommerfrisur ist fertig, das Schaf wird von seinen Fu√üfesseln befreit und springt mit gro√üen S√§tzen und scheinbar freudig bl√∂kend der restlichen Herde entgegen.

Antonello zeigt jetzt einigen Besucher-Kindern ein kleines Lamm auf dem Arm und wie ein Schaf von Hand gemolken wird. Das stehende Schaf wird zwischen den Beinen festgeklemmt und mit schnellen Griffen wird gemolken. Nun k√∂nnen alle probieren. Ein Becher mit frisch gemolkener Milch wird bei den Besuchern herumgereicht. Alle sind begeistert und sehr √ľberrascht, dass die Milch so gut und gar nicht nach Schaf schmeckt.

Fertig

Um 13.30 Uhr ist die Arbeit dann getan. Die Schafe können, nun um rund vier Kilo warmer Wolle erleichtert, den heißen Sommermonaten entgegensehen.
Scherer und Helfer waschen sich an den Wasserschläuchen am Stall Schweiß und Schafduft von den Körpern. Die Kleidung wird gewechselt.
Die Frauen des Agriturismo Canu haben gemeinsam mit Freundinnen und Freunden, das Highlight des Tages, das gemeinsame Mittagessen vorbereitet. Es wird zum Essen gerufen und alle str√∂men herbei ‚Äď rund hundert Leute im Saal, Stimmengewirr, spielende Kinder und der Duft von vielen K√∂stlichkeiten verbreitet sich.

Typische Gerichte der Schafschur werden aufgetischt: Antipasti (Vorspeisen) – hausgemachte Wurstspezialit√§ten, Schinken, Salsiccia und alle PecorinoK√§sesorten der Azienda, Oliven und Eingelegtes. Dann riesige Sch√ľsseln mit Cozze und Bocconi (Muscheln und Meeresschnecken), in Wei√üwein gekocht, ged√ľnstet, gesotten. Die Primi (erste Hauptspeise) folgen, die Zuppa Gallurese und eine Brotlasagne, die Antonellos Mamma in Fonni schon vorbereitet hat.
Es wird geschw√§cht, die meisten sind jetzt schon fast satt. Aber es werden die n√§chsten Sch√ľsseln in den Saal getragen. Die zweite Hauptspeise, die Secondi. Duftendes Spanferkel frisch gegrillt und die Pecora in Capotto, gekochtes Schaf mit Kartoffeln und Zwiebeln. Das Schaf hat Antonello’s Vater, nach barbaricinischer Art vorbereitet und stundenlang in einem riesigen Topf √ľber dem offenen Feuer gekocht. Vorsichtig greife ich zu, denn mein deutscher Gaumen kann sich mit dem Gedanken gekochtes Schaf zu verkosten sehr sehr skeptisch. Doch dann die gro√üe √úberraschung, denn das Schaf schmeckt nicht wirklich nach Schaf, sondern wirklich fein, w√ľrzig und nur ein klein wenig Schafig. Und so genehmige ich mir noch eine weitere Portion, obwohl ich noch vor wenigen Minuten halbherzig beschlossen hatte, jetzt endlich mit dem Essen aufzuh√∂ren. Aber ich kann mich nicht herauswinden, das geht hier nicht. Es ist alles so lecker und wirklich gefragt werde ich auch nicht. Es wird aufgetischt und Frau mu√ü wenigstens so tun als wenn sie weiter i√üt, sonst w√§ren die Gastgeber beleidigt.

Geschafft sitze ich am Tisch und nicht nur ich. Im Saal kehrt Tr√§gheit ein, Hemden und G√ľrtel werden dezent ge√∂ffnet, einige verlassen ihre Pl√§tze und entwinden sich nach drau√üen. Durchatmen und ein klein wenig Bewegung tun jetzt ungemein gut. Allen ist anzusehen, dass sie wirklich pappsatt sind. Doch es ist noch nicht vorbei, die Nachspeisen (Dolci) folgen. Sardischer Kuchen, K√ľchlein und Kekse in allen m√∂glichen Farben, Formen und Macharten, Obst und hausgemachte Seadas, eine ausgebackene Teigtasche gef√ľllt mit K√§se, finden sich jetzt auf meinem Teller ein.

Doch dann endlich, hausgemachte Likeure und Kaffee werden in den Saal getragen. Nach vier Stunden ist das Ende absehbar und ich hoffe, dass ich dieses wahrlich oppulente Mahl irgendwann an diesem Abend auch noch verdauen werde. Um 18 Uhr dann, nach vielen Gesprächen und interessanten Geschichten rund um Schafscherer und Sardinienfans, versuche ich mich in Richtung Heimat davonzumachen. Doch noch mehr als eine Stunde brauche ich, um mich von allen zu verabschieden, hier noch einen Mirto, da noch ein kleiner Schwatz und als ich dann endlich an meinem Auto stehe, weis ich: Das war ein toller Tag, eine schöne neue Erfahrung und im nächsten Jahr bin ich wieder dabei.

In eigener Sache: 2021 begleite ich wieder eine kleine Gruppe deutschsprachiger Touristen zum Schafschurfest. Termin gebe ich m√∂glichst fr√ľhzeitig bekannt. Wer teilnehmen m√∂chte, kann mir gerne eine Mail schicken.

Agriturismo Canu
Loc. Canu
I-07020 Luogosanto

http://www.agriturismo-canu.com

Von Arzachena kommend Richtung Luogosanto. Ca. 5 km vor Luogosanto ist der Agriturismo links ausgeschildert. Erst eine kleine Asphaltstra√üe, die dann Schotterstra√üe wird. Der Agriturismo bietet wunderbare typische Abendessen mit hausgemachten Spezialit√§ten, K√§severkauf, Mittagessen f√ľr Gruppen auf Anfrage. Drei einfache G√§stezimmer, alle mit eigenem Bad und Dusche. Relaxen in l√§ndlicher Atmosh√§re.

Verkaufsstelle f√ľr K√§se:

Pastores
di Pino e Daniela
Loc. Tiana Arzachena
I-07020 Arzachena (OT)
von Mai bis Ende Oktober
via Google Maps Anreise

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Wetter und Klima

Auf Sardinien herrscht¬†mediterran-mildes Klima auch Mittelmeerklima genannt. Das bedeutet, dass die warme Periode 8 – 10 Monate betragen kann und zeichnet sich durch hei√üe, trockene Sommer und milde, ab und an regenreiche Winter aus. Die Temperaturunterschiede von Nord nach S√ľd (ca. 275 km) k√∂nnen im Jahresmittel 5 – 8 Grad betragen. Im August sind Tagestemperaturen um und √ľber 40 ¬įC keine Seltenheit.

Der Übergang der Jahreszeiten ist kurz, aber ausgeprägt. Wer Sonne und Wärme liebt, kommt von April/Mai bis Oktober und hat fast Schönwetter und Warmgarantie. Ich hatte aber auch schon im Dezember Gäste, die sich zum Jahreswechsel am 31.12. ein Bad im blitzeblauen, glasklaren Meerwasser von Rena Majore gönnten. Zwischen Mitte Juli und Mitte September sind die Tagestemperaturen die höchsten.

Die Empfindung von W√§rme ist relativ. F√ľr Sarden sind die Dezember/Januar/Februar Tagestemperaturen 10 - 15 ¬įC (im Plus selbstverst√§ndlich) Grund genug, sich in Daunenjacke-Schal-M√ľtze-Kombi bei strahlendem Sonnenschein auf die Stra√üe zu begeben. Der Tourist aus Norwegen entbl√§ttert sich und freut sich auf warme Tage im kurzarmigen T-Shirt. 

Das Fr√ľhjahr

Das¬†Fr√ľhjahr, mit stabileren Wetterverh√§ltnissen, k√∂nnt Ihr ab Mitte M√§rz erwarten. Die Temperaturen und Sonnenstunden steigen st√§ndig. Ab April kann das Meer „ab und an“ schon „Badetemperatur“ erreichen. Ich liebe den Mai, seine angenehmen Tages- und Nachttemperaturen, angenehm und nicht zu warm um sportlich die Insel zu entdecken, auch mal baden zu gehen und vor allem ist Sardinien Gr√ľn und Bunt. Eine bl√ľhende Insel, die Natur lockt einzigartig mit Bl√ľtenpracht, Farbe und den w√ľrzigen D√ľften der sardischen Kr√§uter. F√ľr mich sind Fr√ľhjahr, Herbst und Winter die sch√∂nste Zeit Sardinien zu entdecken, auch weil gerade diese Monate kaum Tourismus und Trubel herrscht. Zeit zum Wandern, Biken, Klettern, St√§dtebummel, Inlandtouren.

Der Sommer

Der¬†Sommer¬†h√§lt ab Juni Einzug. Die Regentage sinken quasi auf null, Sardinien wird zum Paradies f√ľr Badeg√§ste.¬†¬†Die h√∂chsten Jahrestemperaturen sind ab¬†Mitte Juli bis Ende August¬†zu erwarten, das Thermometer steigt gerne auch mal √ľber die 40 ¬į C. Jetzt stehen Beach, Wassersport und Baden auf dem Programm der Sommer-Sardinienfans. Ich liebe es, wenn nach einem hei√üen Sommertag die Temperaturen wieder sinken, dann auf einen Sundowner an den Leuchtturm des Capo Testa, im Anschlu√ü auf einen der vielen Nachtm√§rkte zum Bummeln. Sie √∂ffnen ab ca. Mai/Juni bis Ende September, allabendlich ab ca. 21 Uhr im Norden: Porto Cervo, Baia Sardinia, Cannigione, Palau, La Maddalena und Santa Teresa

Der Herbst

Ab¬†Mitte/Ende September¬†sinken die Temperaturen (endlich) wieder und Sardinien blickt Richtung ruhige Jahreszeit, Herbst und entspanntes Leben. Die ersten (seltenen) Regenf√§lle lassen die Insel nach dem langen trockenen Sommer aufatmen und wieder gr√ľn werden.¬†¬†Es bl√ľht auch wieder zwischendrin, allerdings etwas dezenter und nicht so √ľberschw√§nglich wie im Fr√ľhjahr. Sport, Aktivit√§t und Entdecken steht wieder auf dem Inselprogramm und, eine meiner Lieblingevents starten jetzt wieder: Ab Sp√§tsommer bis in den Dezember hinein beginnen im Herzen Sardiniens die Herbstfeste, die Cortes Apertas. Gro√üe und kleine D√∂rfer √∂ffnen ihre Hinterh√∂fe, zeigen Tradition, Kultur & Leben der vergangenen Jahrhunderte. Im letzten Jahr fanden sie leider nicht statt, ich hoffe, dass in diesem Corona Jahr 2, Euch aber von meinen Besuchen dort berichten kann.

Der Winter

Winterlich k√ľhl ist von¬†Mitte Dezember bis Ende Februar. Die Insel ist gr√ľn. Das Wetter ist wechselhaft. Sonnige und¬†vom Wind gek√ľhlte Tage, Sturm, Wolkenflug, ab und an Regen im st√§ndigen Wechsel mit strahlendem Sonnenschein und bis zu freundlichen 18 bis 22 Grad. In den D√∂rfern riecht es nach kuscheligen Holz√∂fen.

Jetzt ist es wieder die richtige Zeit f√ľr wetterfeste Inselentdecker, Wolkenspektakelliebhaber, Strandspazierg√§nger, Wanderer, Schlemmerer, Genie√üer, Kaminfeuerduft und der sardischen Waldarbeiter.

Sardinien ist das ganze Jahr eine Reise wert. Aj√≤ in Sardegna, bis bald auf Sardinien ‚ėÄÔłŹ