Wandern: Bruncu Spina & Punta La Marmora

Lieblingstour mit ⭐⭐⭐⭐⭐

Fast 25 Jahre ist Sardinien meine Heimat und erst jetzt und dank dem Virus, der derzeit die Welt beherrscht und mich in arbeitsfreie Zwangspause geschickt hat, habe ich es geschafft, die zwei höchsten Gipfel meiner Lieblingsinsel zu erklimmen. So sitze ich sinnierend unter dem Gipfelkreuz Punta la Marmora, verspeise dabei mein kleines Picknick und bin ĂŒberwĂ€ltigt vom panoramastarken Naturschauspiel das mich umgibt. Wie klein auf einmal die Inselwelt zu meinen FĂŒssen.

Vor mir der Hund. Wieder mal sitzt sie direkt ĂŒber dem Abgrund und lĂ€sst, Blickrichtung Osten, die Ohren im Wind baumeln. Mir wird schwummerig beim Anblick von Hund und dem wirklich steilen Steilhang unter ihr. Hypsiphobie ist mein, die Höhenangst und meine mutige Wandertour in die Berge hat mich heute einige Male, einige Überwindung gekostet. Aber Sardinien von Oben, ist definitiv eine Belohnung.

Wandertour vom Refugio S’Arena ĂŒber den Gipfel des Bruncu Spina zum Gipfel Punta la Marmora

Start & Ziel: Parkplatz S’Arena https://goo.gl/maps/6AVcgLxdEBBnp83d6 am derzeit immer noch (Mai 2021) verlassenen Rifugio. Hier stehen ausreichend ParkplĂ€tze zur VerfĂŒgung. Ab hier gehts Bergauf, immer den Zeichen des Wanderwegs Sentiero CAI 721 folgend. Rot weiß rote sind die Zeichen die auf Steinen und Schildern den Weg weisen. 

Anfahrt: ĂŒber Tonara, Desulo oder Fonni

Schwierigkeit: mittel auf lockerem unbefestigten Untergrund
Dauer: 4 – 6 Std. je nach Kondition
Strecke 16 km 
Max Höhe 1.853 m
Höhenmeter auf âŹ†ïž 560 – 721 Höhenmeter ab âŹ‡ïž 560 – 721 (je nach App)
Kondition mittel  Technik mittel  Erlebnis sehr cool  Landschaft extrem schön


Kurzbeschreibung:

Mittelschwere Wandertour, auch fĂŒr MTB Singletrail Könner geeignet. Teilweise steile Anstiege und Abstiege auf teilweise lockerem, steinigen Untergrund auf den höchsten Gipfel Sardiniens, den Punta La Marmora. Traumschöne sardische Berglandschaft, pure Natur und ĂŒberwĂ€ltigende Ausblicke erwarten Euch. Unterwegs gibt es nur gegen Ende eine Wasserquelle, also ausreichend Trinkwasser einpacken.

Ausstattung & AusrĂŒstung:

Gutes Schuhwerk mit Profil oder feste Wanderschuhe sind auf dieser Tour ein Muß. Ich habe die Tour Mitte Mai gemacht, es war noch relativ grĂŒn und doch schon ziemlich warm. Denkt an ausreichend Wasser, Sonnencreme und Sonnenschutz.

Meine Packliste fĂŒr Sardinien Tages Wandertouren könnt Ihr hier als pdf Datei downloaden

Macht die Tour bitte nur bei guten Wanderwetter !! Auch in Sardiniens Bergen kann das Wetter schnell wechseln,
dann wird die Tour wegen der steilen HÀnge und rutschiger Wege schnell gefÀhrlich.

Leckere Adressen in Tonara

Mein Ausgangsort fĂŒr die Tour auf das Dach Sardiniens ist das StĂ€dtchen Tonara, bekannt fĂŒr die zuckersĂŒsse SpezialitĂ€t Torrone (eine Art tĂŒrkischer Honig), sowie fĂŒr Brot und diverse KĂ€sespezialitĂ€ten vom Schaf und der Ziege. Meine Verpflegung fĂŒr ein verdientes Picknick am Gipfelkreuz besorge ich mir dort bei lokalen Anbietern. 

Lokale Wurst & KĂ€sespezialitĂ€ten – Metzgerei Attilo Sau, Via Su Nuratze 1, Tonara (im Einkaufszentrum) https://g.page/simplytonara?share

Brot – Antico Panificio Todde bei Maria, Via Spano, Tonara, Montag bis Samstag von 8.00 bis 13.00 und 17.00 bis 18.30 – https://goo.gl/maps/xAE1ZQ7mpPHaT2Az8


Nationalpark Golfo di Orosei – Gennargentu

Die Gipfel Bruncu Spina und Punta la Marmora, Ziele meiner heutigen Wandertour, liegen in einem Teil des Parco Nazionale del Golfo di Orosei – Gennargentu. Er ist einer der jĂŒngsten italienischen Nationalparks und mit 73.935 Hektar der grĂ¶ĂŸte auf Sardinien

Hier sind wir im wilden Inselherzen, der Barbagia, dem Land der Barbaren, wie es die Römer des wehrhaftes Volkes wegen nannten. Nirgendwo entdeckt Ihr Sardinien ursprĂŒnglicher, wilder, vielfĂ€ltiger. Nirgendwo ist die Schönheit der Landschaft spektakulĂ€rer und atemberaubender. Und kriegerisch ist heute hier niemand mehr, im Gegenteil, Gastfreundschaft ist hier heilig.

Erreicht man das von Olbia 100 km entfernte Nuoro in gut einer Fahrtstunde, solltet Ihr fĂŒr die nĂ€chsten 60 km von Nuoro nach Tonara eineinhalb Stunden Fahrtzeit einplanen. Statt Schnellstraße tuckelt man hier ĂŒber kleine StrĂ€sschen, HĂŒgel, Berge, TĂ€ler gespickt mit unzĂ€hligen Kurven.

Der Nationalpark beginnt sĂŒdlich von Nuoro, erstreckt sich von dort in Richtung Osten und SĂŒden. FĂ€hrt man von Nuoro ĂŒber die Staatsstraße SS 389, in Richtung Arbatax, liegen linker Hand Dorgali, Orgosolo und Oliena, wo sich der im Sonnenlicht die hellgrau strahlende Bergspitze des Monte Corrasi (1.463 Meter) wie ein WĂ€chter ĂŒber das StĂ€dtchen Oliena erhebt. 

10 km außerhalb Oliena sprudelt die Quelle Su Gologone kraft- und eindrucksvoll aus den dunklen Tiefen ihres Berges UddĂ© ans Licht und in das kleine FlĂŒsschen das den Lago Cedrino speist. Von Cala Gonone bis Santa Maria Navarrese erstreckt sich der Park am Golfo di Orosei mit steilen Klippen aus Schiefer und Kalkstein.
Hier hat die Natur in Jahrtausenden faszinierende Grotten, Höhlen, Schluchten und tiefe Trichter geschaffen. GanzjĂ€hrig ist die Gegend ein Paradies fĂŒr schwindelfreie Wanderer und Kletterer.

Dort fĂŒhrt der schwierigste Trekkingweg Sardiniens an der SteilkĂŒste ĂŒber glasklarem tĂŒrkisblauen Meer entlang: Selvaggio Blu lockt Trekkingbegeisterte aus der ganzen Welt nach Sardinien. Der Gola su Gorropu, mit bis zu 500 Metern hohen FelswĂ€nden ist eine der tiefsten Schluchten Europas und ebenfalls faszinierendes Naturschauspiel und Wanderziel (Tour folgt).

Rechter Hand der Staatsstraße erheben sich sanft die Gipfel des Gennargentu zum Punta La Marmora. Eine wilde, unberĂŒhrte Landschaft. Reich an Wasser, FlĂŒssen, Seen und saubere Quellen, die allĂŒberall aus dem Gebirge hervorsprudeln. Der Nationalpark ist grĂŒn und im Winter nicht selten tief verschneit. Eine Vielzahl sardischer Wildtiere haben hier ihre Heimat: Mufflons, Hirsche und Wildkatzen. Eindrucksvoll sind GĂ€nsegeier, Habichte, Eleonorenfalken, Steinadler und andere Greifvögel.

Der Nationalpark ist Land der ErzÀhlungen, kleiner, oft abgeschiedener Orte, der Transhumanza, der mit der Herde wandernden Hirten. Hier find, der Einsamkeit der Berge und stummer Gipfel, der stolzen Menschen, tiefverwurzelten Traditionen, schönster Trachten und der sardischen Banditen. Die Landschaft reprÀsentiert das wilde Herz der Insel, Geheimnisse und Legenden um Menschen und Naturgewalten.


Tourbeschreibung

Von Tonara bin ich an diesem Morgen mit dem Auto Richtung Fonni gestartet. Gut 25 Fahrtminuten durch grĂŒne BergwĂ€lder und bunte Ziegenherden geht es stetig aufwĂ€rts dem Startpunkt der Tour entgegen. An der Kreuzung S’Arcu de Tascussi wird der Wald lichter, die Landschaft verĂ€ndert sich. BĂ€ume werden rar, kurze Grasweiden und Felsen bestimmen jetzt das Landschaftsbild. Geradeaus ĂŒber die Kreuzung hinweg fahre ich auf einer einsamen Straße der aufgehenden Sonne entgegen. Rechts und links schmĂŒcken nun vereinzelt Baumriesen die Wiesenlandschaft. Einige strecken ihre Äste wie Finger in den blauen Himmel, andere schmiegen sich, von Wind und Wetter gebeutelt dem Hang entgegen. Alle jedoch werden wohl ein paar Jahrhunderte unter der Rinde haben. Immer wieder muß ich anhalten und ehrfĂŒrchtig fotografieren. Was die in ihrem Leben schon alles gesehen haben?

Auf der linken Seite dann ein eingezĂ€unter Bereich, von schönen hohen BĂ€umen umgeben. Hier befindet sich die kleine Quelle Funtana Cerinase. Meine Wasserflaschen fĂŒr die Tour fĂŒlle ich hier mit frischem eiskalten Quellwasser.

Weiter der Straße nach erreiche ich nach zwei Kilometern, S’Arena, ein verlassenes Rifugio (Herberge). Niegelnagelneu und offensichtlich direkt ihrem traurigen Schicksal ĂŒberlassen, macht sie einen verwahrlosten Eindruck. Sehr schade, ich hoffe hier wird irgendwann ein PĂ€chter eine tolle Aufgabe ĂŒbernehmen.

Ich stelle mein Auto ab und nehme den Wanderweg Sentiero CAI 721 der mit rot-weiß-roten Markierungen gekennzeichnet ist. In einigen Kehren fĂŒhrt er ĂŒber eine Schotterstraße bergauf und zieht sich dann in Richtung Osten am Hang entlang. Glockengebimmel steigt aus dem Tal zu mir herauf. Weiter vorne hĂ€ngen ein paar KĂŒhe mit ihren KĂ€lbern lĂ€ssig auf „meinem“ Wanderweg ab. Ich hoffe, dass sich die Damen und Herren Kuh alleine ĂŒberlegen mich kampflos durchzulassen. Die Tiere leben hier auf den großen offenen WeideflĂ€chen halbwild, können ziemlich schnell rennen und sind auch gewillt ihre Babies vor vermeintlichen Angreifern zu beschĂŒtzen. Ich habe keine Lust zwischen irgendwelchen Hörnern zu landen. Doch meine Besorgnis ist unbegrĂŒndet, die sehr netten KĂŒhe trollen sich mitsamt den KĂ€lbern davon und ich habe freie Wanderbahn.

Nach 2 Kilometern endet die Schotterstraße auf einem kleinen Parkplatz. Der Pfad fĂŒhrt nun in Richtung Osten, er wird deutlich schmaler und schlĂ€ngelt sich in der Ferne durch Felsen bergauf in Richtung des ersten Gipfels den es zu erklimmen gilt: den Bruncu Spina. Die nĂ€chste Kuhherde steht und liegt wieder auf meinem Weg, offensichtlich bei einer kleinen Verdauungspause. Aber auch diese netten WiederkĂ€uer wandern gemĂ€chlich aber neugierig davon, sobald ich nĂ€her komme. 

Nach einem kleinen Anstieg sind die ersten 120 Höhenmeter ĂŒberwunden und ich erreiche das hölzerne Wegkreuz des Arcu Artilai. Der verblichene Wegweiser zeigt nun in Richtung Bergauf. Der Pfad wird jetzt steiler und fĂŒhrt durch Felsen hinauf in Richtung des Gipfels des Bruncu Spina. Der Weg ist nicht immer gut zu erkennen, also immer wieder die rot-weiß-rote Wegmarkierung suchen. Rechts geht es nun steil bergab und hier werde ich mich das erste Mal bewußt, dass ich hier und heute mit meiner Höhenangst einiges zu tun bekomme. Wenn ich hier ausrutsche hĂ€lt mich fĂŒr einige hundert Meter nichts mehr.

Aber ich fĂŒhle mich toll, einfach toll und muß das einfach schaffen. Die Aussicht auf die umliegenden, teils fernen Gipfel, die sich wie die Sichel eines Halbmondes um das rechts unten liegende Tal schmiegen ist einfach wunderbar. Geröllfelder aus Granit und Schiefer schieben sich TalwĂ€rts, weiter unten im Tal sind vereinzelt Baumreihen zu sehen. Kunterbunte Flechten haben sich auf Steinen und Felsen niedergelassen, unzĂ€hlige WildkrĂ€uter finden dazwischen noch irgendwo Platz. Dazwischen blĂŒhen Krokusse in Gelb, Blau und Weiß. Der Himmel ĂŒber allem ist strahlend blau und außer mir ist in dieser ganzen riesengroßen Wildnis kein Mensch unterwegs. Lerchen zwitschern und irgendwo hoch oben kreist ein Raubvogel in aller Ruhe seine Runden. Es duftet nach wilden KrĂ€utern und um all das, trotz Höhenangst wirklich zu genießen, muß ich mich aber immer wieder auf den Weg setzen und irgendwie noch festhalten. Aber nach und nach wird es besser mit dem Schwindel. Umkehren ist keine Option. Das habe ich mir vorgenommen – es ist einfach alles viel zu schön.

Nach 3,5 km ist dann der erste Anstieg geschafft. Auf dem höchsten Punkt auf einem Plateau angekommen, geht es nun links herum in Richtung des ca. 200 Meter entfernten Gipfelkreuz des Bruncu Spina. Der Weg fĂŒhrt vorbei am scheinbar niegelnagelneuen Sessellift Anlage, die im Sommer natĂŒrlich geschlossen ist. Die Sitze schaukeln im frischen Wind und selbst jetzt, Mitte Mai, liegt dort noch ein ziemlich großes Schneefeld glitzernd im Sonnenlicht.

Nach genußvollem Rundumblick am ersten Tagesziel geht es zurĂŒck zum Plateau und von dort in Richtung SĂŒden auf den kleinen Pfad der sich auf dem Bergkamm entlangschlĂ€ngelt. Das Tagesziel, der Gipfel Punta La Marmora, ist jetzt als höchster Berg in der Ferne mit seinem Gipfelkreuz gut zu erkennen. Der Weg schlĂ€ngelt sich jetzt als Höhenpfad durch Fels und Gras auf oder am Berggrat entlang, bis er dann steil hinab, zum Wegkreuz am Arcu Gennargentu auf 1659 m hinabfĂŒhrt. 

Von dort geht es nun wieder bergauf zum letzten Teil in Richtung Gipfel Punta La Marmora. Zuerst fĂŒhrt der Weg in das Geröllfeld des Su Sciusciu (1823 m auch Bruncu Spina 2) es geht stetig bergauf und der Weg ist gut zu erkennen. Nach dem ersten Anstieg, ist nach 700 metern der anstrengendste Teil geschafft. Der Pfad fĂŒhrt nun relativ gemĂŒtlich weiter dem blitzenden Gipfelkreuz des Punta la Marmora, 1853 m entgegen. 

Gipfelkreuz, Aussicht, Pause, Picknick, Whow!! Hier oben blitzt in Richtung Osten das Meer des Golf von Orosei, im Westen das Meer bei Oristano. Absolute Stille, nur ein kleines Windchen echt aus dem Tal herauf. Mein Picknick aus Tonara genehmige ich mir jetzt wohlverdient und hungrig. Der Hund sitzt auf einem Felsen ĂŒber dem Abgrund und lĂ€sst die Ohren im Wind baumeln.

Nach meiner Pause mache ich mich nun gestĂ€rkt auf den RĂŒckweg. Der zuerst einmal zurĂŒckfĂŒhrt wie ich gekommen bin. Am Wegkreuz des Arcu Gennargentu geht es jetzt aber links herum auf dem Wanderpfad unterhalb des Bergkamms weiter. Dieser fĂŒhrt nun an der westlichen Flanke des Kammes des Bruncu Spina in gemĂ€chlicherem Auf und Ab zurĂŒck zum ersten Wegkreuz des Tages am Arcu Artilai.

Hatte ich es bis hier heute lediglich mit der vierbeinigen und geflĂŒgelten Tierwelt des Gennargentu als einzige Lebewesen zu tun gehabt, staune ich nicht schlecht, als mir mitten auf dem unendlichen Schotterweg!!! ein Rennradfahrer entgegenkommt. Das Rad geschultert, schnaufend, lache ich bei seinem Anblick lauf auf. Er schmunzelt und erklĂ€rt, bevor ich Fragen kann. Alessandro stellt er sich vor, eigentlich macht er die Tour mit dem Mountainbike, wollte er heute mal versuchen mit dem Rennrad auf den Berg zu kommen. Danach auf der anderen Seite bergab um nach weiteren Kilometern Schotter, die Asphaltstraße zurĂŒck nach Oristano zu nehmen wo er heute Morgen gestartet ist. Unglaublich, Hut ab. Wir tauschen Selfies und Namen und gehen in entgegengesetzer Richtung unserer Wege.

Mehr ErzĂ€hlenswertes passiert heute nicht aber die tolle Landschaft bleibt, jetzt gespickt mit einigen kleinen Quellen die Bergab fliesen folge ich stets dem Weg zum Arca Artilai, von dem ich am Vormittag bergauf in Richtung Bruncu Spina kletterte. Weiter bergab folge ich jetzt dem Weg zurĂŒck wie gekommen zum Startpunkt der Tour nach S’Arena.

Noch mehr Bilder

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Die Gps Daten (gpx und kml) könnt Ihr auf meiner Seite auf Bikemap.net downloaden. Dort habe ich weitere Fahrrad- und Wandertouren auf Sardinien fĂŒr Euch zum Download hinterlegt. https://www.bikemap.net/de/r/8569057/#12.85/40.00472/9.30066

Anja


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Wandertour nach TandalĂČ, Oschiri

Lieblingstour mit ⭐⭐⭐⭐⭐

Wandertour von der Forststation Filigosu, Oschiri nach TandalĂČ im Altopiano von BuddusĂČ

Start & ZielForesta Demaniale di Su Filigosu https://goo.gl/maps/9GUuL38t4C3b22kq7 . Am markierten Punkt gibt es unter ein paar BĂ€umen, gegenĂŒber einer kleinen Staumauer des Flusses ein paar schöne schattige ParkplĂ€tze.  Hier könnt Ihr Euer Auto stehenlassen und folgt nun dem kleinen Pfad der links vom Fluß bergauf fĂŒhrt.

Anfahrt & Parken: ĂŒber Oschiri, ca. 40 km eine halbe Fahrtstunde von Olbia

Schwierigkeit: einfach bis mittel 
Dauer: 4 – 6 Std. je nach Kondition
Strecke 14,9 km 
Max Höhe 612
Höhenmeter auf âŹ†ïž 430  Höhenmeter ab âŹ‡ïž 430
Kondition mittel  Technik einfach bis mittel  Erlebnis sehr cool  Landschaft extrem schön


Kurzbeschreibung:

Einfache bis mittelschwere Wandertour, auch fĂŒr Fahrrad MTB geeignet. Teilweise steile Anstiege auf lockerem, steinigen Untergrund. Unterwegs gibt es keine Wasserquellen, also ausreichend Trinkwasser einpacken. 

Lukullisches: Das StĂ€dtchen Oschiri ist bekannt fĂŒr seine Panadas, es sind feine deftige Törtchen die mit allerlei leckeren FĂŒllungen locken. GemĂŒse, Salsiccia (sardische Bratwurst) etc. Der ideale sardische Snack fĂŒr Euer Picknick zur Halbzeit der Tour in TandalĂČ.

Panada Adressen in Oschiri

La Casa della Panada, Via Umberto I  https://goo.gl/maps/UsNd5c8ZVBekyGiH7

Sapori di Oschiri, Via Europa 8  https://goo.gl/maps/CQ4Dw5dZaALYKyVK7


Mitzubringen/einzupacken sind:

Gutes Schuhwerk mit Profil oder feste Wanderschuhe sind auf dieser Tour ein Muß. Ein mal mĂŒsst Ihr kurz vor TandalĂČ durch den Fluss Rio Mannu waten, im Sommer wird er kaum mehr als ein Rinnsal sein, ab Herbst bis ins spĂ€te FrĂŒhjahr nach RegenfĂ€llen mĂŒsst Ihr aber definitiv die Schuhe ausziehen und barfuss hindurch. Also Handtuch einpacken.

Ebenfalls ausreichend Wasser, Sonnencreme und Sonnenschutz.

Meine Packliste fĂŒr Sardinien Tages Wandertouren könnt Ihr hier als pdf Datei downloaden

Ist die Strömung nach lÀngeren RegenfÀllen zu stark und der Wasserstand zu hoch, durchquert den Fluss bitte NICHT.

Su Filigosu Oschiri nach TandalĂČ

Die heutige Tour startet im Gemeindegebiet von Oschiri, am Parkplatz der Forstverwaltung des Staatsforstes Foresta Demaniale Su Filigosu. Der Staatswald erstreckt sich ĂŒber knapp 4000 Hektar zwischen Oschiri und Budduso ĂŒber eine unbewohnte Hochebene.

Die Hochebene, das Altopiano di Budduso und das Gebiet von Monte Lerno, sind alljĂ€hrlich im Juni Ziel einer Etappe der Autorally Weltmeisterschaft. FĂŒr kurze Zeit ist die friedliche Idylle vorbei und bietet ein staubig-sehenswertes Rally Spektakel. Daten, Karten und mehr auf der Webseite  https://www.rallyitaliasardegna.com

Der Staatsforst ist durchzogen von sauberen WildbĂ€chen und FlĂŒssen, die ĂŒberwiegend in den Rio Mannu (Großer Fluss) mĂŒnden, der den großen Stausee Lago di Coghinas speist. Der See liegt zwischen Oschiri und dem Monte Limbara, den Ihr auf Euer Tour immer an den Antennen auf dem Gipfel erkennen könnt. Das FlĂŒsse im Hochplateau sind so sauber, dass dort Forellen beheimatet sind (Angeln verboten). Im Staatsforst sind Kork- und Steineichen vorherrschend. Im Unterholz finden sich die typischen MacchiagewĂ€chse, Lavendel, Erdbeerbaum und sogar Zypressen, Mastix, Zistrose, HeidekrĂ€uter sowie viele WildkrĂ€uter. Dazu leben im Forst viele sardische Wild-und Vogelarten (AusfĂŒhrlicher werde ich dazu in einem anderen Artikel berichten).

Vor vielen Jahren habe ich die Tour nach TandalĂČ mit dem Mountainbike gefahren. Damals mit einer Gruppe und wĂ€hrend einer Sardiniendurchquerung von Nord nach SĂŒd. Der Tourabschnitt von Oschiri auf das Hochplateau bis zur kleinen ehemaligen, heute verlassenen Ansiedlung TandalĂČ mit der kleinen Landkirche San Giuseppe, war mir als eine der schönsten auf der ganzen Trans-Sardinia in Erinnerung geblieben.

Am letzten Wochenende im MĂ€rz 2021 habe ich mich mit einer Kundin aufgemacht, die Tour zu Fuß nachzuwandern. Und tatsĂ€chlich, es war wieder ein Sardinien Erlebnis wie es mir gefĂ€llt: Natur pur, Einsamkeit, Ruhe und dazu gut begehbare Forstwege und StrĂ€ĂŸchen. ZurĂŒckgekehrt und pĂŒnktlich zum Sonnenuntergang stand dann noch ein Besuch an einer der faszinierendsten ArchĂ€ologischen StĂ€tten Sardiniens auf dem Programm: am S’altare de Santu Istevene, dem Altar von Santo Stefano in Oschiri. Der krönende Abschluss eines Traumtag.

Unser Tourtag war es ein typisch warmer FrĂŒhjahrs Sonnentag mit 22 Grad und strahlend blauem Himmel. Ein TrĂ€umchen zum wandern. Am Parkplatz der Forstverwaltung stand nur unser Auto, wir waren also komplett allein in der sardischen Wildnis. 

Angekommen am Ziel unserer Wanderung, in TandalĂČ saß dort unter den schönen schattigen EichenbĂ€umen bereits eine Familie aus BuddusĂČ beim Mittagsmal. Und wie das auf Sardinien nun einmal so ist, wir hatten kaum freundlich gegrĂŒsst und uns noch nicht einmal hingesetzt (Abstandsregeln COVID einhaltend), hatten wir auch schon die ersten Becher hausgemachten Weines aus Budduso auf dem Tisch vor uns stehen. Gesponsert von der sardischen Familie.

Es folgten, Abdanken zwecklos: ein Teller Brot, hausgemachte traumhaft leckere Salami, ebenfalls hausgemachter Pecorino-KĂ€se, frischer Fenchel aus dem eigenen Garten und als Krönung, eine Schale mit StĂŒcken frisch gebratenem Spanferkels. Zum Nachtisch Kaffee, Grappa und Fruchtsalat. Bescheidenheit ist in solchen FĂ€llen unmöglich, unangebracht und wĂŒrde den gastfreundlichen Gedanken der Spender beleidigen. Denn Gastfreundschaft ist auf Sardinien tief verwurzelt, fast heilig und generell wird immer fĂŒr mehr Personen mit eingeplant. So gehört sich das hier.

Wir wagten nicht einmal, unser Mitgebrachtes, mit Sicht auf die Spende, sehr bescheidenes Mittagsmal aus unseren RucksÀcken zu holen. Drei schöne Stunden verbrachten wir dann bei Essen, Wein und interessanten GesprÀchen mit dieser supernetten sardischen Familie.

E ancora grazie di cuore per la calorosa accoglienza e lo speciale 
pranzo "casereccio 5 stelle" đŸ€—đŸ€—đŸ€—đŸ€—

So, meine Einleitung war etwas lĂ€nger, lag mir am Herzen. Jetzt von mir fĂŒr Euch eine meiner Traumtouren in das unbewohnte Herz meiner Trauminsel.


Beschreibung

Tourstart hier: Außenstelle Staatsforst Foresta Demaniale di Su Filigosu – https://goo.gl/maps/9GUuL38t4C3b22kq7 auf dem markierten Punkt gibt es unter ein paar BĂ€umen, gegenĂŒber einer kleinen Staumauer des Flusses ein paar schöne schattige ParkplĂ€tze. Hier könnt Ihr Euer Auto stehenlassen.

Ihr startet auf dem Pfad links vom Fluß der bergauf fĂŒhrt.  

Ihr bleibt jetzt immer auf dem Hauptweg. Es geht 5 km bergauf. Ab und an zweigen kleinere Straßen ab, sie sind aber gut erkennbar NICHT der Hauptweg, vergesst sie also. Nach und nach ĂŒberwindet Ihr gut 340 Höhenmeter. Rechts von Euch könnt Ihr im Tal immer wieder tolle Blicke auf den Riu Mannu werfen (großer Fluß) der sich wild durch das Flusstal schlĂ€ngelt. Dazwischen gibt es immer wieder kleinere Becken in denen sich sein blautĂŒrkises Wasser sammelt. Natur Pur.

Oben angekommen kreuzt Ihr einen breiteren Hauptweg. Hier biegt Ihr Rechts ab. Kurz darauf ĂŒberquert Ihr eine breitere Feuerschutzschneise (hier wird werden Wald und GebĂŒsch entfernt um fĂŒr einige hundert Meter, eventuellem Feuer den Untergrund zu nehmen). Weiter auf dem Hauptweg bleiben. Dann werdet Ihr gebeten ein typisch sardisches Tor nach Durchgang wieder zu schließen. 

Knapp 1000 Meter weiter, beginnt jetzt der Abstieg in das Tal nach TandalĂČ und hinunter zum Rio Mannu. Auf 7,2 km heißt es dann fĂŒr Euch die Schuhe ausziehen und durch den Fluss waten. Das Wasser ist kalt und traumhaft sauber. Immer Sommer wird der Riu Mannu aber kaum mehr als ein Rinnsal sein, ab Herbst bis ins spĂ€te FrĂŒhjahr oder nach RegenfĂ€llen steht das Wasser höher und Ihr mĂŒsst die Schuhe ausziehen und hindurchwaten. Also Handtuch nicht vergessen.

Sollte es mehrere Tage RegenfÀlle gegeben haben und der Fluss angestiegen sein,
lasst bitte die Durchquerung sein!!!

Ein paar Schritte nach dem Fluss habt Ihr dann TandalĂł erreicht. Hier steht die kleine Kirche San Giuseppe. Einige wunderbare mehrere hundert Jahre alte Steineichen spenden Schatten an den langen aufgestellten Steintischen und BĂ€nken wo Ihr wunderbar Euer mitgebrachtes Picknick verspeisen könnt.

TandalĂČ: Die heute verlassene Siedlung TandalĂł befindet sich im Herzen der Hochebene und bestand aus 19 HĂ€usern. Mitte des 18. Jahrhunderts siedelten sich dort Familien aus der Toscana an um Holzkohle herzustellen. Auf den Weiden hielten sie Vieh und produzierten KĂ€se, Brot und Lebensmittel fĂŒr die nahen Dörfer. In den 70er Jahren wurde die Siedlung verlassen, die HĂ€user verfielen, werden jetzt aber nach und nach wieder Restauriert. Ein mal jĂ€hrlich, Ende Mai, organisieren die ehemaligen Bewohner in TandalĂČ ein großes Fest zu Ehren des Schutzheiligen des Dorfes. WĂ€hrend unseres Mittagessens erfuhren wir, dass zwei unserer Gastgeber in TandalĂČ geboren wurden.

Habt Ihr Eure Pause beendet, geht es auf dem gleichen Weg den Ihr gekommen seid zurĂŒck in die Forestale und zu Eurem Parkplatz. Beachtet, dass Ihr kurz hinter der Feuerschutzschneise den Weg links bergab nehmen mĂŒsst.

Im Anschluß empfehle ich Euch einen Besuch an der AusgrabungsstĂ€tte S’altare de Santu Istevene, dem Altar von Santo Stefano in Oschiri – https://goo.gl/maps/m1tiyrJcWLzFrK7h8

Downloads

Die Gps Daten (gpx und kml) könnt Ihr auf meiner Seite auf Bikemap.net downloaden. Dort habe ich weitere Fahrrad- und Wandertouren auf Sardinien fĂŒr Euch zum Download hinterlegt. https://www.bikemap.net/de/r/8236263/#12.97/40.68656/9.1923

Tour als pdf file

Viel Spaß – bei Fragen einfach fragen

Anja


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Luogosanto

Na, was fĂ€llt Euch ein wenn Ihr an Sardinien denkt? Schneeweiße StrĂ€nde und kristallklares blau-tĂŒrkis schimmerndes Meer? Ihr habt Recht. Sardiniens StrĂ€nde scheinen einem Reisekatalog fĂŒr die Karibik entsprungen und ziehen Jahr fĂŒr Jahr immer mehr Menschen auf die italienische Mittelmeerinsel. Aber Sardinien hat noch eine ganz andere Seite, eine Seite die nicht alle kennen, nicht alle mögen, die den wirklichen Sardinienfans aber einfach die Liebste ist. Das Inland.

Entfernt man sich von der KĂŒste und sucht seinen Weg außerhalb der touristisch erschlossenen Gebiete zeigt Sardinien seine ganz andere Seite. Wunderbar gastfreundliche Menschen, herrliche Berg- und HĂŒgellandschaften, Seen, FlĂŒsse, romantische kleine Dörfer, duftende immergrĂŒne Macchia (MittelmeergestrĂŒpp), WĂ€lder, Granitgebirge und beschaulicher Alltag. All das könnt Ihr entdecken, auch in der Hochsaison.

Die meisten SehenswĂŒrdigkeiten habe ich Euch mit einem Link zu Google Maps hinterlegt, damit Ihr die Position in Eure Reisedaten speichern könnt.


Heute möchte ich Euch eines meiner Lieblingsdörfer vorstellen. Luogosanto.

Locusantu im hiesigen Dialekt oder auf Deutsch heiliger Ort. Man sagt, das Land ist gesegnet, bestÀndig und stark, wie der Stein auf den das Dorf gebaut ist: der Granit. 

321 MeterÂ ĂŒber dem Meer liegt Luogosanto, wie angeklebt an die Flanken des Monte Juanni, dem Hausberg mit seinen drei Gipfelspitzen. Etwas mehr als 1800 Einwohner stark, ist Luogosanto schon seit Jahrhunderten eines der wichtigsten Bergdörfer im Norden Sardiniens. Ausgestattet mit allen notwendigen Infrastrukturen ist man hier schon immer ziemlich unabhĂ€ngig. Alles was zum tĂ€glichen Leben benötigt wird, bekommt man vor Ort.

Von imposanten Granitbergen umgeben, sind die meisten HĂ€user im Dorf traditionell aus Granit gebaut. GeschĂ€tzt werden althergebrachte Traditionen, gutes Essen, Natur und besinnliche Ruhe. Gastfreundschaft ist heilig. Selbst im Hochsommer, wenn es an den KĂŒsten hektisch, unĂŒbersichtlich und quirlig wird, taucht man hier ein, in eine gemĂŒtliche und stressarme Umgebung. Fast ist spĂŒrbar, wie diese ruhige Stimmung auch die Besucher des Dorfes einnimmt.

Luogosanto ist umgeben von wunderbar schattigen und immergrĂŒnen Stein- und KorkeichenwĂ€ldern, die sich zum sĂŒdlichen Inland hin ĂŒber TĂ€ler und Granitberge bis nach Tempio Pausania, dem Bischofssitz in Sardiniens Norden, ziehen.

Das Meer ist nah. Vom Aussichtspunkt an der Hauptkirche der Basilika della Nostra Signora di Luogosanto kann man das blitzende Blau zwischen den Bergen erhaschen. In einigen TĂ€lern hinter dem Dorf gibt es Ecken mit teilweise endemischer Flora und ansonsten mit der fĂŒr Nordsardinien typischen Fauna. Die immergrĂŒnen WĂ€lder sind reich an Wildtieren: Wildschweine, einige Marderarten, FĂŒchse, Vögel, Eulen, Falken um nur einige zu nennen. Dazu eine bunte Vielfalt Reptilien z.B. Zauneidechsen, Schlangen (ungiftig) und die sardische Landschildkröte. Die WĂ€lder bieten vielen dieser Tiere vom Menschen fast unberĂŒhrte RĂŒckzugsorte. KrĂ€uter-, Vogel– und Insektenfreunde lieben Sardinien, denn sie finden hier noch Arten, die hinter den Alpen bereits seit Jahren auf der Roten Liste stehen oder bereits ausgemerzt wurden. 

135 Quadratkilometer groß ist das Gemeindegebiet des Dorfes. Den Besuchern wird viel geboten: zuallererst eine faszinierende Natur- und Tierweltsaubere Luft, bestes Essen. Wer hier urlaubt kann sich dazu vielen FreizeitaktivitĂ€ten widmen: BikenWandernBouldern oder nur gemĂŒtlich durch das Dorf bummeln, bisschen einkaufen, bisschen Eis essen. Sattsehen kann sich das Auge an herrlichen Granitformationen die rundum die Landschaft prĂ€gen und immer wieder aus dem BlĂ€tterdach der WĂ€lder schauen. Bei klarem Wetter hat man Meersicht und selbst Korsika, die französische Nachbarinsel, scheint nur einen Katzensprung entfernt.

Auch die schönsten StrĂ€nde Nordsardiniens sind schnell erreichbar. Ihr habt die Qual der Wahl, welcher Strand auf dem Programm stehen soll: die famose Costa Smeralda rund um das Jet-Set-Nest Porto Cervoan der OstkĂŒsteRena Majore oder Rena Matteo an der NordwestkĂŒstePorto Pollo im Norden zum Surfen. Alle sind von Luogosanto aus in 25 bis 35 Fahrtminuten mit dem Auto erreichbar. Und kommt man dann vom stressigen Strandtag zurĂŒck, empfĂ€ngt den Gast in Luogosanto die wohlige Gastfreundschaft fĂŒr das das Dorf seit Jahrhunderten bekannt ist.

Capanna delle Riunioni

Luogosanto war schon lange vor Christus Geburt besiedelt. Ein Zeugnis ist die nuraghische VersammlungshĂŒtte, die Capanna delle Riunioni auf dem Monte Casteddu (XIV – IX v. Ch.). Die Überreste von kreisförmigen SteinhĂŒtten in der NĂ€he, zeugen davon, dass sich sich dort um 2500 v.Ch. eine wichtige Ansiedlung befand.

San Trano und die Teufelsgrotte

23 grĂ¶ĂŸere und kleinere Kirchen und Landkirchlein, in deren Mauern die GlĂ€ubigen schon im Mittelalter den Segen erbaten, liegen auf dem Gemeindegebiet verstreut. Ein Highlight, die Landkirche von San Trano, in dem die Heiligen Nicola und Trano als Eremiten hausten. 

Aus dem Heiligen Land gekommen, waren sie unerschĂŒtterlich in ihrem Glauben. In Luogosanto wollten sie eine Kirche erbauen; selbst der Teufel konnte sie mit keiner Verlockung von ihrem Vorhaben abbringen und fuhr aus Zorn darĂŒber in die Hölle hinab. Unterhalb der Kirche ist in der Grotta del Diavolo, sein Fußabdruck im Granit fĂŒr immer verewigt. Wer an diesem Platz das Avemaria betet und einem alten Ritus folgt, kann das böse Auge abwehren

Der legende nach wurden von Nicola und Trano dann die ersten Mauern der Basilika von Luogosanto erbaut. Seit 2008 ist Luogosanto CittĂĄ Mariana, ein Wallfahrtsort, gleichgestellt mit Lourdes. Alle 7 Jahre wird die heilige TĂŒr an der Basilika geöffnet in der die Geschichte der Eremiten verewigt ist. Das alljĂ€hrliche Fest zu Ehren der Madonna (7./8./9. September) mit TrachtenumzĂŒgen, vielen prĂ€chtig geschmĂŒckten Pferden, Jahrmarkt und großen Konzerten, wird dann noch einmal ein Tick grĂ¶ĂŸer ausgerichtet.

Überreste einer weiteren Ansiedlung sind 2 km außerhalb des Dorfes rund um die mittelalterlichen Ruinen des Castello di Baldu zu besichtigen. Die Ruine ist ein besinnlich-lauschiger Platz fĂŒr Picknicks. Im Schatten der alten Eichen, lĂ€sst sich dort wunderbar entspannen. Im Mittelalter war die Burg das Zuhause des Prinzen Baldu, der mit einer deutschen Prinzessin vom Rhein verheiratet war. Oder ein weiterer Ausflug in die Vergangenheit, besichtigt doch das Castello di Balaiana, es liegt mit herrlicher Rundumsicht auf einem HĂŒgel. Vorab sind ein paar Hundert Treppenstufen zu ĂŒberwinden. 6 km vor Luogosanto, von Arzachena kommend.

Kork

In den heißen Sommermonaten kann man in den KorkeichenwĂ€ldern rund um das Dorf Zeuge werden, wie einer der hĂ€rtesten Jobs der Insel getan wird. Die StrĂ€nde sind jetzt voll mit Sommertouristen. Jetzt, bei Tagestemperaturen um die 40 Grad ist die Zeit gekommen, die Korkeichen zu schĂ€len. Hochbezahlte bĂ€renstarke FachmĂ€nner schlitzen mit scharfen Dolchen, Äxten und gekonnten Bewegungen die begehrte Baumrinde auf und ziehen große Platten des wertvollen Naturmaterials von Hand ab. Ein falscher Schnitt und der Baum stirbt. Auch darf man nicht zu viel von der Rinde abnehmen. Dazu kommt der Kampf mit Wespen, KĂ€fern und Ameisen, die die Rinde bewohnen und ihre Wohnstatt mit allen Mitteln gegen die Arbeiter zu verteidigen suchen. Doch nur im Hochsommer gibt es zwischen Baum und Rinde einen Luftpuffer, der es ermöglicht die Rinde abzunehmen. Im restlichen Jahr sind Baum und Rindeunzertrennlich. Die geernteten Korkplatten werden dann nach Tempio Pausania oder Calangianus in die Fabriken gekarrt, wo sie gelagert, gekocht und dann zu den Korken verarbeitet werden, die die besten Weine der Welt in ihren Flaschen versiegeln.

Hausmannskost in der Gallura

Wirklich arm war Luogosanto nie. Zeugen sind die vielen kleinen Landkirchen und dazugehörigen LĂ€ndereien, die Stazzi (typisch sardische BauernhĂ€user), die rund um Luogosanto verstreut liegen. Die Besitzer der LĂ€ndereien lebten im Dorf und ließen auf dem Land ihre PĂ€chter mit Familien fĂŒr sich arbeiten. Die wichtigsten Grundnahrungsmittel fĂŒr das Dorf wurden dort produziert. Getreide, KĂ€se, Fleisch, Brot, GemĂŒse. Sie sind noch heute die Basis fĂŒr viele Gerichte aus der galluresisch-sardischen LandkĂŒche. Wie zum Beispiel die Zuppa Gallurese, ein Brotauflauf, der heute an jedem wichtigen Festtag auf dem Mittagstisch stehen muß. Mein Rezept zum nachkochen. Dazu ein wenig Geschichte zur Zuppa.

Die Landfeste

Wer nach dem heißen Sommer Luogosanto besucht, kann GlĂŒck haben, dass eines der Landfeste stattfindet um dort mitfeiern zu können. Gefeiert wurde und wird bis heute viel und gerne. Das Ende des Winters, das Ende des Sommers, die Ernte. Feste, deren Tradition sich bis heute erhalten hat und die abwechselnd von den Gemeindemitgliedern organisiert und an den Landkirchen gefeiert werden.
Der Aufwand ist gewaltig, aber man freut sich schon Wochen vorher auf das gesellige BeisammenseinMeterlange BĂ€nke und Tische sind dann voll mit Menschen und Leckereien, dazu Tanz und Musik bisspĂ€t in die Nacht.

Rinder werden zu GeschnetzeltemWildschweine mit Sugo verfeinert und Spanferkel kommen an den Spies und werden im Kreis ĂŒber dem offenen Feuer stundenlang gegrillt. MehrgĂ€ngig ist das MenĂŒ, fleischlastig, so wie immer. So wie seit vielen hundert Jahren und nicht wirklich das GlĂŒck veganer MitbĂŒrger.
Dazu gibt’s Pasta mit Sugo und selbstverstĂ€ndlich Wasser und Wein, viel Wein. 

Die Geschichten des Dorfes und der Menschen werden dann erzĂ€hlt. Geschichten um die Feste der vergangenen Jahre, Geschichten um die Neugeborenen und die Toten des Jahres und was sonst noch so interessant ist. Speis und Trank kommen fĂŒr eine kleine Spende auf den Tisch. Je nach Fest bekocht das Organisationsteam auch schon mal 2500 Personen, die von ĂŒberall herbeikommen. Eine HochleistungfĂŒr die dörfliche Supply Chain

Tonnenweise werden Pasta, Tomaten, Kartoffeln, SuppengemĂŒse, Wein, Wasser, Obst und das Fleischheranzuschaffen. Die Köche sind Hobbyköche, hoch geschĂ€tzte Gemeindemitglieder die ihren Job fĂŒr das Gemeinwohl teilweise schon seit vielen Jahrzehnten machen und so zu Legenden der Gallura wurden.

Biriu zum Beispiel, ein kleiner Mann, 165 cm groß und nicht mehr der JĂŒngste. Er tut sich schwer, weil der RĂŒcken so sehr schmerzt. Trotzdem, Jahr fĂŒr Jahr wird er gerufen und er kommt. Kein Klagen. Biriu, der die beste Rindfleischsuppe kocht, den besten Sugo kann, dessen Geschnetzeltes butterweich im Munde zergeht, der seine 10 großen Töpfe und die KĂŒchencrew aus Freiwilligen im Griff hat. Biriu ist bereits Legende. Seine Tochter Giacomina steht ihm seit ein paar Jahren bei und die Gemeinde sorgt sich, wenn er nicht mehr so kann. Denn fĂŒr einen Abend Fest sind drei Tage Schwerstarbeit in der KĂŒche einzuplanen. Tage die um 5 Uhr morgens beginnen und oft erst weit nach Mitternacht zu Ende sind. Das hier ist Sardinien, ein StĂŒck echtes Sardinien.

FrĂŒhling Sommer Herbst und Winter

Im FrĂŒhjahr sind WĂ€lder, Wiesen und Weiden rund um das Dorf ein wahres Farbspektakel. Kunterbunt von vielen Wildblumen und KrĂ€utern die ihren herrlich intensiven Duft in die Inselwelt entlassen. Eingefleischte Sardinienfans, riechen die Insel schon, wenn sie mit der FĂ€hre in den Hafen einfahren. Ein Duftmix aus italienischer Strohblume (Helicrysum italicum), wildem Lavendel und vielen anderen.
Der Herbst ist grĂŒn, die ersten RegenfĂ€lle lassen dazu die Edelpilze spriessen und Pilzsammler sind ĂŒberall mit ihren Körben unterwegs. Die WĂ€lder zwischen Luogosanto und Tempio sind voll mit Stein- und Edelpilzen, ein Mekka fĂŒr Fans der Funghi.

Im SpĂ€therbst reifen die dunkelblauen Mirtobeeren an ihren StrĂ€uchern. Sie sind die Basis fĂŒr den gleichnamigen Likeur der HundertjĂ€hrigen: den Mirto.  Auch der Erdbeerbaum (Corbezzolo) trĂ€gt jetzt schwer mit seinen roten stacheligen FrĂŒchten. Sie erinnern an Erdbeeren oder, wie mein kleiner Neffe meint: „an den CoronaVirus in Rot“. Neben den roten Fruchtkugeln ist gleichzeitig die BlĂŒte des Baumes in vollem Gange. Wie Trauben aus Wein dicht and dicht, hĂ€ngen sie wachsweiß bis rosa neben den roten BĂ€llchen im Baum. Die BlĂŒten sind ein wichtiger Teil der Winternahrung der heimischen Bienen, die daraus den begehrten, bitteren Corbezzolo Honig (Miele di Corbezzolo) herstellen.

Sehenswertes & Tipps

In der Anlage der Forstverwaltung (Forestale) Lu Sfussatu auf dem Weg nach Tempio Pausania können Besucher auf schön angelegten Pfaden, mit dem Bike oder zu Fuß die Natur und Tierwelt beobachten und aus einer Vielzahl sauberer Wasserquellen trinken. Im Park befindet sich auch eine Grotte, die als Beobachtungsposten ausgebaut wurde.

Diözesanmuseum von Luogosanto – Mein absoluter Tipp fĂŒr alle Luogosanto-Besucher – das DiözesanMuseum in Luogosanto, das im ehemaligen Franziskaner Kloster beherbergt ist. Artikel in Arbeit

Eine Wasserquelle der heilbringende Eigenschaften zugesagt werden, ist die Sorgente Fonte La Filetta auf dem Weg zum Monte Canu.

Einen besonderen Ausblick in die ganze Gallura und bei gutem Wetter bis Korsika, hat man von dem Kirchlein von San Trano (Eremo di San Trano), wo die Eremiten sich niederließen. 500 Meter nach der Ortsausfahrt, Fahrtrichtung Arzachena geht es rechts ab (Beschilderung folgen). Hier hausten die vorgenannten Eremiten zu deren Ehre dort ebenfalls zwei Heiligenfiguren aufgestellt sind. Das Kirchlein liegt auf einem GranithĂŒgel. 

Ein Muss ist die Besichtigung der Olivastri Millenari, 4000 Jahre alte Baumriesen am Lago di Liscia. FĂ€hrt man ĂŒber den Monte Canu Richtung Aggius, kommt man hinter Luogosanto in das Tal des Stausees des Lago Liscia. Dort herrscht ein ganz besonderes Mikroklima. Mehrere um die 4000 Jahre alte Baumriesen gelten als die Ă€ltesten OlivenbĂ€ume Europas. Unter dem BlĂ€tterdach des Ältesten lernt man Ehrfurcht.

Essen in Luogosanto

Ristorante Pizzeria da Tommy, Via Cristoforo Colombo 9, Pasta, Pizza (Abends), Fisch & Fleisch, tĂ€glich 12.00 – 15.00 / 19.00 – 23.00, Donnerstag Ruhetag. Tommy, seine Frau und seine Kinder bewirten Euch mit Leckerschmeckergarantie.

Ristorante Girasole, Via S. Trano 31, tolle Pasta & Pizza (Abends), Fisch & Fleisch, tĂ€glich 12.30 – 14.30 / 19.00 – 23.30 

Tolles Eis, super HĂ€hnchen, Pizza und sĂŒsses GebĂ€ck zum Mitnehmen in der Rosticceria von Adriana und und Pasquale Lu Mulinu, Via San Trano 11

6 km außerhalb – bei Matteo und Laura im Agriturismo/Landhotel Quercia della Gallura typisch sardisch essen & schlafen, Reservierung notwendig – www.querciadellagallura.com

Übernachten in Luogosanto

im Dorfkern â€“ bei Fabrizio und seiner Familie im Drei Sterne Hotel & Restaurant San Trano in der Via Caprera 19, von Apr. bis Okt.– www.hotelsantrano.it

2 km außerhalb – bei Pierfranco, Francesca,  & Gianna im Agriturismo Vaddidulimu in der Ansiedlung Vaddidulimu (Fahrtrichtung Aglientu), ganzjĂ€hrig geöffnet B&B 40,– Euro pro Übernachtung / HP 60,– Euro Reservieren: dongu1@virgilio.it

6 km außerhalb, Fahrtrichtung Arzachena – das ausgebaute Heuhaus von Eugenie fĂŒr 1 – 2 Personen

6 km außerhalb – bei Matteo und Laura im Agriturismo/Landhotel Quercia della Gallura, ganzjĂ€hrig, ab 35,– Euro B&B www.querciadellagallura.com

8 km außerhalb, total tolle Berglage, – im Agriturismo Canu von Antonello und seiner Familie â€“ www.agriturismo-canu.com 

Einkaufen in Luogosanto

#Sardinientipp KrĂ€uter, Tees, Salben einkaufen- bei DER KrĂ€uterfrau Sardiniens, Patrizia, in ihrer Erboristeria, 5 km außerhalb des Dorfes gelegen (Fahrtrichtung Arzachena), pflanzt, hegt und pflegt sie nicht nur viele Heilpflanzen selber, sonder mixt Euch Tees und AufgĂŒsse fĂŒr allerlei Zipperlein von Hand, stellt dazu Salben und KrĂ€utermixturen selber her. Erboristeria Officinale Lu Capruleddu, Loc. Capruleddu, I-07020 Luogosanto

#Sardinientipp KĂ€se und Wurst einkaufen– Der sardische Pecorino-KĂ€se fĂŒr den die Schafe des Agriturismo Canu ganzjĂ€hrig auf der Weide frei grasen um hervorragende Milch zu liefern ist famos und ganz bestimmt ein besonderer Leckerbissen. Bei Daniela und Pino könnt Ihr ihn von FrĂŒhjahr bis Herbst in der Verkaufsstelle Pastores in Arzachena erstehen. Der Weg lohnt sich.

#Sardinientipp Blumen und Geschenke, tolle Blumenkompositionen holen wir uns fĂŒr unsere Hochzeiten im Blumenladen bei Anna in der Via San Trano . In ihrem Laden duftet es herrlich. Neben Blumen gibt es eine Auswahl netter Geschenkideen und Kerzen. 

#Hoch zu Ross in Luogosanto Auf tollen Pferden die wunderbaren Stein- und KorkeichenwĂ€lder erkunden. Bei Valeria und dem Centro Equestre Royal Dream

#Wein testen in Luogosanto #Piero Mancini

In den 60er Jahren entschloss sich der Zahnarzt Piero Mancini Wein anzubauen. Eine gute Entscheidung, denn heute dĂŒrfen wir sein fantastischen Weine in Luogosanto testen. Das Weingut befindet sich ca. 4 km außerhalb Luogosanto in Fahrtrichtung Arzachena. Ein wunderbarer Stazzu, top restauriert ist heute eine exquisite Location. Derzeit können leider nur Tastings fĂŒr Gruppen ab 20 Personen angeboten werden. 

Mein Fazit

Luogosantos unberĂŒhrte, unvergleichliche Natur, nette Einwohner und Gastgeber, tolle kulinarische SpezialitĂ€ten und nicht zuletzt die abwechslungsreiche Landschaft, macht dieses nette sardische Dorf zu einem meiner Lieblingsorte auf Sardinien. Ganz besonders Naturliebhaber, Radler und Wanderer finden hier tolle Möglichkeiten um ein StĂŒck ursprĂŒngliches Sardinien auf eigene Faust zu erkunden. Ganz besonders möchte ich Luogosanto denjenigen empfehlen, die die Insel auch mal außerhalb der ĂŒblichen Touristenzeiten entdecken möchten. Sardinien ist einfach nur toll im Herbst, Winter und FrĂŒhjahr. Einige UnterkĂŒnfte sind geheizt und ganzjĂ€hrig geöffnet und last but not least, gerade in Coronazeiten lĂ€sst sich mit so viel Platz ganz wunderbar und ziemlich Maskenfrei eine tolle Zeit verbringen. Ich wĂŒnsche Euch eine tolle Reise.

Fotos: Comune Luogosanto, Anja Liebert, Daniele Fontana

Viel Spass bei Eurem Aufenthalt. Weitere Fragen? einfach fragen..


Sardinia to Santiago

Mein erster Jakobsweg. Eine Hardcore Erfahrung – zu Fuß durch Nordspanien. Aber gerufen hat mich der Weg, lange Jahre. Im Oktober 2019 habe ich mich dann auf den Weg gemacht. Zu Fuß, mit Pilgerpass, viel zu viel Zeugs und einem 13,5 kg schweren Rucksack. Sardinia to Santiago – von Sardinien nach Santiago de Compostela. Gefreut, gelacht, geheult, geflucht – aber nach meinen Kindern, das tollste Abenteuer meines Lebens. Der Weg meines Lebens. In diesem Sinne, ÂĄBuen Camino! 👣

Die nette Karte aus dem Titelbild könnt Ihr auch bestellen bei Ideas Peregrinas – online

Bald gehts weiter, ein paar Bildchen zur Vorschau 👣👣

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